Die Deutsche Energie-Agentur (dena) hat ein umfassendes Impulspapier veröffentlicht, das zwölf zentrale „Leitplanken für die nächste Legislatur“ skizziert. Dabei beleuchtet es zentrale Infrastrukturbereiche von Strom- und Wärmenetzen bis hin zur Digitalisierung. Das Papier beschäftigt sich mit grundlegenden Finanzierungsfragen sowie der Verantwortung aller staatlichen Ebenen in sektoralen Handlungsfeldern wie Gebäude, Energiewirtschaft, Industrie und Mobilität.
Das Impulspapier der dena erinnert daran, dass trotz geopolitischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten die Themen Klimaschutz und Energieversorgung mit hoher Priorität behandelt werden sollten. Das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 bleibt bestehen. Die damit verbundenen Transformationsaufgaben bieten große Chancen für Modernisierung. Zeitgleich kann eine größere Resilienz gegenüber Energieimporten entstehen. Die dena rückt in diesem Zusammenhang den Wärmesektor in den Mittelpunkt.
„Ziel der Energiewende ist es, sowohl mehr Klimaschutz zu ermöglichen als auch unsere industriell geprägte Volkswirtschaft im Sinne internationaler Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu modernisieren.“
Corinna Enders, Vorsitzende der dena Geschäftsführung
Folgende Punkte aus dem Impulspapier der dena sind besonders hervorzuheben und wichtig für die Heizungsbranche: Die enge Kooperation zwischen Bund, Ländern und Kommunen (Kapitel 02), ein zügiger Ausbau und eine faire Finanzierung der Stromnetze (Kapitel 03), ein starker Fokus auf den Ausbau von Wärmenetzen mit Großwärmepumpen (Kapitel 05) sowie die konsequente Digitalisierung der Energiewirtschaft (Kapitel 06). Wir haben uns die Kapitel angeschaut und für Sie die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst.
Kapitel 02: Kommunen als Schlüsselakteure
Laut Einschätzung der dena haben bei der Energiewende die Kommunen eine tragende Rolle. Kommunen sind es, welche schlussendlich die Gesetze und Richtlinien von EU, Bund und Ländern in konkrete Projekte umwandeln und Förderanträge stellen können. Zudem sind Kommunen involviert, wenn es um lokale und individuelle Strategien wie die kommunale Wärmeplanung geht. Gerade dafür sollten laut Impulspapier die Kommunen verstärkt personell und finanziell unterstützt werden. Jedoch wäre für eine Änderung der Kommunenfinanzierung eine Grundgesetzanpassung erforderlich. Ebenso sei es wichtig, dass es insgesamt zu intensivierten Abstimmungen zwischen Bund, Ländern und Kommunen kommt.
Um auf die unterschiedlichen lokalen Ausgangssituationen einzugehen, brauche es flexible Regelungen. Als Beispiel werden Nahwärmenetze mit Großwärmepumpen oder energieautarke Quartiere genannt.
Kapitel 03: Stromnetze: Ausbau, Finanzierung und Sicherheit
Aufgrund zunehmender Elektrifizierung in der Mobilität aber auch beim Heizen steigt die Bedeutung eines ausgebauten, digitalen und stabilen Stromnetzes. Für eine zukunftssichere Gestaltung der Netzinfrastruktur schlagen die Autor:innen verschiedene Punkte vor. Ein zentraler Punkt ist der Ausbau und die Digitalisierung für leistungsfähige Übertragungsnetze und Verteilnetze, um großflächig erneuerbaren Strom zu verteilen und neue Erzeugungsanlagen und Verbraucher anzuschließen. Eine integrierte Planung des Netzausbaus im Zusammenspiel mit Wärme- und Gasnetzplanung sei dabei entscheidend. Deswegen bedarf es laut dena einer grundlegenden Überdenkung der Stromnetzfinanzierung, da der Investitionsbedarf bis 2045 auf 500-600 Milliarden Euro geschätzt wird. Um ansteigende Netzentgelte und Privilegierungen bestimmter Nutzergruppen entgegenzuwirken kann die Digitalisierung als Hebel für Kosteneffizienz gesehen werden und gleichzeitig die hohe Leistungsfähigkeit der Infrastrukturbetreiber fordern. Steigende Netzentgelte dürfen laut dena nicht zu einer Überbelastung von Privathaushalten führen. Eine verursachergerechte Kostenverteilung sowie Kostensenkungspotenziale im Netzbetrieb seien daher wichtig.
Ein weiterer Punkt ist, dass Systemstabilität auch mit 100 Prozent erneuerbaren Energien gegeben sein sollte. Netzbildende Stromrichter seien laut dena eine Schlüsseltechnologie, um die stabilisierenden Eigenschaften konventioneller Kraftwerke zu ersetzen. Als letzten wichtigen Punkt sehen die Autor:innen des Papiers die Cybersicherheit und den physischen Schutz der Stromnetze. Hierfür seien eine schnelle Umsetzung und klare Richtlinien im Zuge der neuen EU-Vorgaben wie zum Beispiel NIS2 und KRITIS essenziell. Dafür bedarf es kontinuierliches Monitoring und gute Kommunikation über Sicherheitslücken durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und der Bundesnetzagentur.
Kapitel 05: Wärmenetze: Finanzierung und kommunale Teilhabe
Wärmenetze sind für eine klimafreundliche Wärmeversorgung in dicht besiedelten Gebieten unverzichtbar. Durch eingebundene Großwärmepumpen können vermehrt Abwärme aus Industrieprozessen, Rechenzentren oder Geothermie nutzbar gemacht werden. Im Jahr 2023 sind über 50 Prozent des deutschen Endenergieverbrauchs auf Wärme entfallen, wovon bisher nur 17,7 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammen. Somit spielt die Dekarbonisierung des Wärmesektors eine wichtige Rolle.
Um die damit verbundenen Klimaziele zu erreichen, ist laut der BMWK-Systementwicklungsstrategie bis 2025 eine Verdreifachung der Fernwärmeanschlüsse notwendig. Um diese Netze auszubauen und zu dekarbonisieren, braucht es einen langfristigen Förderrahmen und in kurzer Zeit hohe Investitionen. Laut dena müsse eine Finanzierungsstrategie für den Wärmesektor die Stärkung des Eigenkapitals lokaler Versorger, Unterstützung von Energiegenossenschaften und neue Geschäftsmodelle fördern.
Für die dena hängt die Akzeptanz für den Ausbau von Wärmenetzen von nachvollziehbaren Kostenstrukturen und fairer Preisgestaltung ab. Deswegen brauche es eine Anpassung der AVBFernwärmeV, um Kostenänderungen verständlich und transparent darzustellen. Weiterhin können Beispiele guter Praxis hervorgehoben werden und so lokale Wertschöpfung und Teilhabe gut aufzeigen. Gerade kommunale und genossenschaftliche Projekte stärken die Teilhabe der Bürger:innen und beschleunigen den Markthochlauf klimafreundlicher Technologien.
Auch hier unterstreicht das Impulspapier die Bedeutung der Kommunen beim Umbau der Wärmenetze. Die Kommunale Wärmeplanung ist dabei das Schlüsselinstrument, bei den Städten und Gemeinden den Fokus auf integrierte Infrastrukturpläne (Strom, Gas, Wärme, Digitalisierung) legen sollten. Um diese mit übergeordneten Strategien zu verzahnen, brauche es eine verbesserte Koordination zwischen Kommunen, Ländern und regionalen Akteuren. Zudem wäre eine erneute Aufsetzung des KfW-Förderprogramms 432 in Höhe von 1 Prozent der BEG-Förderung wichtig. Aber auch gezielte Fortbildungen für kommunale Mitarbeitende seien unabdingbar.
Kapitel 06: Digitalisierung der Energiewirtschaft
Die Digitalisierung wird als das „Rückgrat“ einer erfolgreichen Energiewende gesehen. Sie ermöglicht eine intelligente Steuerung und Vernetzung von Erzeugern, Speichern und Verbrauchern. Auch für die Steuerung von dezentraler Energieversorgung durch Kleinst-Einspeiser sowie Netzengpass-Vorhersagen sind digitale Technologien grundlegend.
Mit einem digitalen Energiesystem besteht die Möglichkeit, dass Flexibilitäten wie Speicher, steuerbare Verbraucher und Elektromobilität optimal genutzt werden können, um Überproduktion oder Dunkelflauten auszugleichen. Darauf aufbauend ergeben sich neue Geschäftsmodelle, wie zum Beispiel dynamische Tarife, dezentrale Energiemärkte oder Energy Sharing. Laut dena schaffen gesetzliche Rahmenbedingungen wie das GNDEW oder die EnWG-Novelle bereits erste Grundlagen. Diese müssen jedoch rasch weitergeführt und konkretisiert werden.
Um den Ausbau digitaler Infrastruktur zu beschleunigen, sind eine flächendeckende Einführung intelligenter Messsysteme, Steuerboxen, digitalisierter Ortsnetzstationen und sichere Übertragungstechnologien unabdingbar. Dieses Rollout schreitet noch zu langsam voran. Deswegen braucht es mehr gezielte Maßnahmen zur Unterstützung kleinerer Verteilnetz- und Messstellenbetreiber sowie mehr Forschungs- und Pilotprojekte.
Ein weiterer Fokus der Digitalisierung bezieht sich auf energiewirtschaftliche Prozesse wie zum Beispiel den Netzanschluss, Marktkommunikation und Monitoring. Komplexe und stark vernetzte Energiesysteme mit Millionen Assets können so durch digitale Prozessketten handhabbar und effizienter werden. Zudem würde die Digitalisierung Transformationsprozesse beschleunigen und Betriebs- und Investitionskosten senken. Schlussendlich sollte durch Pilotprojekte der Nutzen von Künstlicher Intelligenz im Energiesektor gefördert werden.
Das Impulspapier der dena zeigt klar, dass Klimaneutralität in der Energiewende nur durch abgestimmtes Handeln aller Akteure und Sektoren erreicht werden kann. Dafür müssen Kommunen gestärkt werden und das Stromnetz sollte langfristig über mehr Kapazitäten verfügen. Es braucht also clevere Finanzierungsmodelle, die Vernetzung über Wärmenetze sowie eine konsequente Digitalisierung. Entscheidend sind verlässliche politische Rahmenbedingungen, eine faire Lastenverteilung bei den Energiekosten und die schnelle Umsetzung konkreter Projekte auf kommunaler Ebene.
Hier geht es zu dem Impulspapier der dena: https://www.dena.de/PUBLIKATION2675