Podcast: Klima-Labor von ntv – wie retten wir die Erde?
Im Wahlkampf erklärte die Union, sie wolle das Gebäudeenergiegesetz (GEG) „abschaffen“. Wie könnte es nun unter der neuen Bundesregierung mit dem Heizen weitergehen und wie ist der Wärmemarkt derzeit aufgestellt? Diesen Fragen gehen die Podcast-Hosts Clara Pfeffer und Christian Herrmann in der Folge des ntv-Klimalabors auf den Grund. Dazu haben sie den Ingenieur Dr. Jochen Theloke, Geschäftsführer der VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt, zu sich eingeladen.
Im Wahlkampf hat die Union einige energiepolitische Vorhaben angekündigt: Neben der Abschaffung des GEG und der Wärmepumpenförderung gab es auch einen Vorstoß in Richtung „Grünes Heizöl“. Inwiefern lässt sich das umsetzen und wie sinnvoll sind diese Forderungen?
„Abschaffung“ des GEG
Das GEG abzuschaffen sei nicht sinnvoll und sollte beibehalten werden, so Theloke. Das Gesetz gibt es bereits seit 2020. Es wurde von der großen Koalition aus Union und SPD auf den Weg gebracht. Auch im Zuge der gesetzten Klimaziele sei das GEG weiterhin notwendig. Zudem bringe es Stabilität in den Markt und biete Orientierung für Verbraucherinnen und Verbraucher. Nach der hitzigen und unübersichtlichen politischen Diskussion müsse nun wieder Vertrauen in das Gesetz geschaffen werden, betont Theloke.
Die Wärmepumpen-Hersteller und auch der Markt seien bereits auf das GEG eingestellt, so Theloke weiter. Insbesondere in den Boom-Jahren 2022 und 2023 habe die sprunghaft gestiegene Nachfrage zunächst für hohe Marktpreise gesorgt, weil geringere Produktionskapazitäten bestanden hätten. Darauf hätten die Hersteller nun reagiert, sodass sich das Angebot auf dem Markt inzwischen vergrößert habe. Die Preise für Wärmepumpen seien dadurch zuletzt spürbar zurückgegangen und die Nachfrage könne einfacher bedient werden.
Mythen und Unsicherheiten
Obwohl sich die Nachfrage nach einem schwierigen Absatzjahr nun wieder erhole, seien noch einige Mythen über Wärmepumpen in Umlauf. Dazu gehöre, dass die Wärmepumpe für Bestandsgebäude nicht geeignet sei. „Wenn ich einen qualifizierten Installateur habe und einen guten Energieberater, dann kann ich das quasi in jedes Gebäude einbauen.“, meint Theloke. Natürlich gäbe es vereinzelte Härtefälle.
Zudem seien Handwerksbetriebe vielfach noch nicht ausreichend auf die Wärmepumpeninstallation vorbereitet, da Ihnen die Erfahrung fehle. Auch in der Ausbildung komme das Thema noch zu kurz. Die Installation eine Gasheizung „von der Stange“ sei im Vergleich deutlich einfacher. Daher würden einige Betriebe ihren Kunden nach wie vor eine Gasheizung empfehlen.
Strom vs. Gas
Damit sich die Wärmepumpe am Markt durchsetzen kann, sollte das Verhältnis von Strompreis zu Gaspreis zudem unter 2,5 liegen. In Deutschland sei der Strompreis derzeit noch zu hoch. Daher sei die Förderung derzeit notwendig, um diesen strukturellen Nachteil auszugleichen. Da die Parteien angekündigt hätten, den Strompreis über die Stromsteuer und die Netzentgelte zu reduzieren, könne sich dieses Verhältnis bald zugunsten der Wärmepumpe ändern. Außerdem werde bei der Einführung des europaweiten CO2-Preises ab 2027 eine neue Wettbewerbssituation geschaffen, die die Wärmepumpe zusätzlich begünstige.
Grünes Heizöl
Unter grünem Heizöl sind HVO-Kraftstoffe, also mit Wasserstoff hydrierte Pflanzenöle, zu verstehen. Jedoch seien diese für den Heizungsmarkt keine valide Option, so Theloke. Es gebe Probleme hinsichtlich der eingeschränkten Verfügbarkeit, der damit verbundenen hohen Kosten und auch der Nahrungsmittelkonkurrenz. Daher solle der Einsatz auf wenige Sektoren beschränkt werden, die anders schlecht elektrifiziert werden können. Dazu gehören beispielsweise die Schifffahrt oder auch landwirtschaftliche Maschinen. Auch die chemische Industrie habe Interesse. Jedoch kritisiert Theloke, dass es sich beim Einsatz von grünem Heizöl nicht um eine Dekarbonisierung, sondern lediglich um eine „Defossilisierung“ handle.
Zukunft der Wärmewende
Auf kommunaler Ebene sei zu prüfen, welche Wärmequellen bereits vorhanden sind, wie zum Beispiel Abwärme aus der Industrie oder aus Rechenzentren. Potentiale für Wärmenetze würden im Zuge der kommunalen Wärmeplanung bis zum Jahr 2028 ermittelt. Im wenig verdichteten Raum sei die Wärmepumpe sicherlich die beste Option. Jedoch ist das GEG, entgegen den Vorwürfen, technologieoffen gestaltet. Es kämen also auch andere Heizsysteme für eine klimaneutrale Wärmeversorgung in Frage.
Ob Dr. Jochen Theloke noch daran glaubt, dass Deutschland die Wärmewende schafft, erfahrt ihr hier im Podcast!