Der im Januar 2026 erschienene Artikel „Europe’s competitive edge: Industrial energy efficiency as a structural game-changer“ ordnet die aktuelle europäische Wettbewerbsdebatte neu und überzeugend ein. Die Autoren argumentieren, dass Energieeffizienz nicht nur als begleitendes Instrument der Transformation der Industrie gesehen werden soll, sondern ein zentraler und struktureller Treiber hinter europäischer Wettbewerbsfähigkeit ist.

Das bröckelnde Fundament. Laut Draghi-Report steht die europäische Industrie vor einer dreifachen Herausforderung: Dekarbonisierung, Versorgungssicherheit und hohe Energiepreise. Die Autoren (Rosenow, Schlomann, Eichhammer & Borg) machen in Ihrer Analyse deutlich, dass Energieeffizienz der gemeinsame Nenner ist, um diese Ziele gleichzeitig zu erreichen.
Dekarbonisierung in Europa fokussiert sich laut Autoren auf den Umbau der Energieversorgung aber auch die Senkung des Energiebedarfs. Energieeffizienz reduziert hier nicht nur die Emissionen, sondern auch den Umfang der notwendigen erneuerbaren Infrastruktur.
Versorgungssicherheit soll durch einen geringeren Energiebedarf ermöglicht werden. Der Artikel betont, dass Energieeffizienz als dauerhaftes Schutzschild gegen Preisvolatilität als auch geopolitische Risiken wirkt.
Kosteneffektive Maßnahmen könnten bis 2030 den industriellen Energiebedarf um 25 Prozent senken. Die Analyse zeigt, dass das Effizienzpotential in der Industrie bei Weitem noch nicht ausgeschöpft ist. Die Elektrifizierung der Industrie sei noch in den Anfängen.
Spannend ist die Schlussfolgerung der Autoren, die die Wettbewerbsfähigkeit Europas nicht nur auf Energiepreise reduziert. Vielmehr sprechen sich die Autoren für mehr Produktivität und Ressourceneffizienz aus.
„Die entscheidende Variable ist, wie effizient Energieeinsätze in wirtschaftliche Leistung umgewandelt werden.“ Rosenow et al.
Die Aussage wird von empirischen Daten gestützt. Die industrielle Energieintensität in der EU ist zwischen 2000 und 2023 um 35 Prozent gesunken. Ohne die seit 2000 umgesetzten Effizienzmaßnahmen wäre der industrielle Energieverbrauch 2023 um 39 Prozent höher gewesen.
Die Ergebnisse sind tragfähig aber bleibt auf deiner abstrakten Ebene ohne konkrete Technologien zu nennen. Bei all den Punkten spielen Wärmepumpen (Großwärmepumpen) eine wichtige Rolle. Schon jetzt wird sie von Unternehmen in industriellen Prozessen integriert und wird damit auch Teil einer industriellen Wettbewerbsstrategie. Wärmepumpen ermöglichen es bereits heute industrielle Prozess- und Raumwärme mit deutlich weniger Primärenergie bereitzustellen und gleichzeitig erneuerbaren Strom direkt zu nutzen. Damit ersetzen Wärmepumpen in der Industrie und Gewerbe die Nutzung von fossilen Brennstoffen und können so den Importbedarf strukturell senken. Gerade bei Abwärmequellen werden Großwärmepumpen eine entscheidende Rolle bei der Energiewender der Industrie spielen.

Wichtig. Nicht jede Effizienzmaßnahme der Industrie reduziert Importabhängigkeit in gleichem Maße. Wärmepumpen ersetzen fossile Brennstoffe vollständig durch Strom und Umweltenergie und wirken damit direkt auf die Importstruktur. Klassische Effizienzmaßnahmen innerhalb fossiler Systeme senken zwar den Verbrauch, stabilisieren aber gleichzeitig bestehende Abhängigkeiten. Der Artikel differenziert diesen Punkt nicht, obwohl gerade hier ein wesentlicher strategischer Hebel für Energie- und Industriesouveränität liegt.
Zudem können Wärmepumpen in dem Kontext des Artikels nicht nur als Elektrifizierungsinstrument gesehen werden, sondern auch als Multiplikator von Effizienzgewinnen. Sie können schon heute 1 kWh Strom in circa 3 bis 5 kWh nutzbare Wärme umwandeln.
Die Wärmepumpe ist genau an der Schnittstelle positioniert, die der Artikel beschreibt. Sie verbindet Effizienz mit Elektrifizierung, senkt die Energieintensität strukturell, stärkt die Versorgungssicherheit und kann so die industrielle Produktivität in Europa erhöhen.
Quelle:
Rosenow J, Schlomann B, Eichhammer W, Borg N (2026) Europe’s competitive edge: Industrial energy efficiency as a structural game-changer. PLOS Clim 5(1): e0000809. https://doi.org/10.1371/journal.pclm.0000809
Hier gehts zum Download: Europe’s competitive edge: Industrial energy efficiency as a structural game-changer | PLOS Climate

