Referenzobjekt: 40 Jahre alte Großwärmepumpenanlage Ryaverket versorgt Göteborg mit Fernwärme

Ryaverket in Göteborg zeigt, dass Großwärmepumpen auch nach 40 Jahren zuverlässig Fernwärme liefern können. Die Anlage zählt zu den bekanntesten Beispielen für die langfristige Nutzung von Umweltwärme in kommunalen Fernwärmesystemen. Während viele Länder diese Technologie erst heute im großen Maßstab einsetzen, nutzt Schweden sie bereits seit Jahrzehnten erfolgreich.

Nach den Ölkrisen der 1970er-Jahre setzte das Land verstärkt auf Fernwärme, CO₂-arme Stromerzeugung und heimische Energiequellen. So entstand früh ein Umfeld, in dem Großwärmepumpen ihre Stärke ausspielen konnten. Ihr Erfolg beruht auf einem technologischen Konzept, das schon damals als leistungsfähig, effizient und zukunftsfähig galt.

Das Ryaverket ist ein eindrucksvolles Beispiel für diese Entwicklung. Im Heizkraftwerk arbeiten die Großwärmepumpen RYA 3 und RYA 4 bereits seit 1985. Sie nutzen gereinigtes Abwasser der benachbarten GRYAAB-Kläranlage als Wärmequelle. Die gewonnene Wärme wird anschließend in das Fernwärmenetz von Göteborg eingespeist.

Großwärmepumpen mit langer Geschichte

Bei ihrer Inbetriebnahme im Jahr 1985 zählten die beiden Großwärmepumpen im Ryaverket zu den leistungsstärksten Anlagen ihrer Art weltweit. Jedes Modul erreichte eine thermische Leistung von 65 MW. Herzstück der Anlagen ist jeweils ein dreistufiger Turbokompressor von Atlas Copco Gas and Process.

Ursprünglich arbeiteten die Wärmepumpen mit dem Kältemittel R12. Das zeigt auch ein historisches Atlas-Copco-Dokument aus der Zeit der Anlage. Später wurden die Module auf R134a umgerüstet. Dadurch verringerte sich die thermische Leistung auf 50 MW pro Modul. Die Jahresarbeitszahl beträgt 3,6.

Heute besteht die Anlage aus zwei Großwärmepumpenmodulen, die Abwärme aus gereinigtem kommunalem Abwasser zurückgewinnen. Daraus erzeugen sie Fernwärme mit Vorlauftemperaturen von bis zu 95 Grad Celsius. Ryaverket zeigt damit eindrucksvoll, wie Umweltwärme auch in großen kommunalen Fernwärmesystemen effizient und verlässlich genutzt werden kann.

Zuverlässig bis in die 2040er-Jahre

Rasmus Sinnige, Market Manager New Energy bei Atlas Copco Energas GmbH in Köln, beschreibt die Entwicklung der Anlage mit dem Leitmotiv „Evolution statt Revolution“. Das passt gut zu Ryaverket. Denn die Grundidee war schon in den 1980er-Jahren tragfähig. Seitdem wurden Komponenten, Betrieb und Überwachung weiterentwickelt. Die Technologie musste jedoch nicht grundsätzlich neu erfunden werden.

Besonders bemerkenswert ist die lange Betriebsdauer des Ryaverket. Die beiden Anlagen sollen noch bis in die 2040er-Jahre im Einsatz bleiben. Damit stehen sie für den langjährigen und zuverlässigen Einsatz von Großwärmepumpen in der kommunalen Fernwärmeversorgung.

Schon heute ist der nächste Meilenstein in Planung. Dazu erklärt Sinnige:

„Bald wird ihnen am Standort Ryaverket eine neue Wärmepumpe zur Seite stehen, die mit dem Kältemittel Isobutan R600a arbeitet und wieder mit einem Turbokompressor von Atlas Copco Gas and Process ausgestattet ist, der von jahrzehntelangen technologischen Weiterentwicklungen profitiert. Wie schon ihre Vorgänger in Göteborg seit vier Jahrzehnten wird auch diese Anlage die Stadt viele Jahrzehnte lang zuverlässig mit klimaneutraler Fernwärme versorgen.“

Damit verbindet Ryaverket die frühe Wärmepumpengeschichte Schwedens mit der nächsten Generation der Fernwärme.


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