Seit mehr als 90 Jahren beschäftigt sich Löser + Anspach mit Gebäudetechnik. Heute gehören auch Wärmepumpen selbstverständlich zum Arbeitsalltag des Koblenzer Unternehmens. Doch der Markt hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert.
Wirtschaftliche Unsicherheit, Fachkräftemangel und wechselnde regulatorische Rahmenbedingungen, die bei vielen Kundinnen und Kunden für Verunsicherung sorgen: Wie geht ein Fachbetrieb mit diesen Herausforderungen um? Darüber haben wir mit Anke Löser, Geschäftsführerin der Löser + Anspach GmbH Gebäudeenergietechnik, gesprochen.

„Wir haben einfach viel zu wenig Personal. Wir würden gerne mehr machen, aber an der einen oder anderen Stelle hängt es tatsächlich an der Kapazität des Betriebs.“
Für Löser + Anspach liegt eine der größten Herausforderungen derzeit nicht in der Technik selbst, sondern bei den personellen Kapazitäten.
Gleichzeitig beobachtet das Unternehmen, dass die wirtschaftliche Situation bei den Kunden angekommen ist. Investitionen, die energetisch sinnvoll wären, würden teilweise zurückgestellt, weil das Geld dafür fehle. Dazu kommt die Verunsicherung durch die politischen Diskussionen der vergangenen Jahre rund um Wärmepumpe, Heizungstausch und Förderung.
All das beeinflusst, mit welchen Erwartungen Kundinnen und Kunden heute an das Thema Wärmepumpe herangehen.
Welche Sanierungsmaßnahmen benötigt eine Wärmepumpe?
Eine Frage begegnet Löser + Anspach dabei immer wieder: Was muss am Gebäude verändert werden, wenn eine Wärmepumpe einzieht?
Häufig kombinieren Kunden die neue Heizung mit einer Photovoltaikanlage (Löser + Anspach bietet diese zwar nicht selbst an, viele Kund: innen haben jedoch bereits eine Anlage installiert, planen eine oder setzen beide Maßnahmen gleichzeitig um). Auch die bestehende Heiztechnik, beispielsweise die Fußbodenheizung, wird im Zuge des Wärmepumpeneinbaus teilweise modernisiert. Maßnahmen an der Gebäudehülle, wie eine Dämmung oder der Austausch von Fenstern, können ebenfalls sinnvoll sein – insbesondere dann, wenn diese ohnehin geplant sind.
„Prinzipiell ist nach unserer Erfahrung die Umsetzung der Wärmepumpe ohne weitere Maßnahmen außerhalb des Heizungsbereichs die ökonomischste Variante.“
Denn nicht jede energetisch sinnvolle Maßnahme rechnet sich auch finanziell:
„Diese Maßnahmen machen technisch beziehungsweise vom Verbrauch her oft Sinn, lohnen sich finanziell in Kombination aber kaum, weil gerade der bauliche Wärmeschutz so viel teurer ist als die Umstellung auf die Wärmepumpe an sich. Es sei denn, es sind sowieso Maßnahmen wie ein Fenstertausch oder Ähnliches geplant.“
Vor allem aber sind solche Maßnahmen aus technischer Sicht nicht zwangsläufig Voraussetzung für die Wärmepumpe.
„Wenn ich beispielsweise einen baulichen Wärmeschutz mache, also die Außenhülle dämme, lohnt sich die Investition vielleicht in 25 Jahren. Das steht in keinem Verhältnis zu dem, was ich eigentlich investieren muss. Zumal die Wärmepumpe das heute technisch nicht mehr unbedingt erfordert.“
Weiterbildung findet direkt an der Wärmepumpe statt
Mit der Technik verändern sich auch die Anforderungen an diejenigen, die sie installieren und warten. Viele Mitarbeiter von Löser + Anspach haben ihre Ausbildung zu einer Zeit absolviert, in der Wärmepumpen im Berufsalltag noch eine wesentlich kleinere Rolle spielten. Heute brauchen die Mitarbeiter, die Wärmepumpen warten und instand halten sollen, alle auch einen Kälteschein. Diese externe Zusatzqualifikation spielt eine wichtige Rolle dabei, die Mitarbeiter für die Arbeit mit Wärmepumpen fit zu machen. Ansonsten findet das bei Löser & Anspach eher in Form von Training on the Job statt:
„Wir holen uns beispielsweise die Hersteller dazu und führen gemeinsam Inbetriebnahmen oder die Störungssuche durch, um unsere Mitarbeiter fit zu machen. Außerdem bieten wir Inhouse-Schulungen bei uns im Betrieb an.“
Wie das konkret aussieht, zeigt eine kürzlich durchgeführte Schulung zur Inbetriebnahme mit Daikin: Nach einer kurzen Einweisung im Seminarraum führten ein Servicetechniker des Herstellers und das Serviceteam von Löser + Anspach gemeinsam die Inbetriebnahme einer Anlage vor Ort durch. Dabei werden praktische Tipps und Kniffe vermittelt, damit die Mitarbeiter solche Inbetriebnahmen künftig selbst durchführen können. Anders als bei einer klassischen Schulung steht dabei der praktische Austausch auf Augenhöhe im Vordergrund. Hersteller- und Servicetechniker arbeiten gemeinsam an der Anlage und tauschen sich über mögliche Probleme und ihre Erfahrungen aus.
Sollte die Wärmepumpe in der ausbildung eine größere rolle spielen?

„Wir würden uns tatsächlich wünschen, dass der Kälteschein in der Ausbildung mit enthalten ist.“
Es wird aber sicherlich noch ein bisschen dauern, bis das in die allgemeine Ausbildungsverordnung aufgenommen wird. Je nach Auszubildendem versucht Löser + Anspach deshalb, den Kälteschein bereits während der Ausbildungszeit zu ermöglichen.
Für die Mitarbeiter nutzt der Betrieb wenig Online-Training. Beim Kälteschein wurde ein Teil des Eigenlernens online absolviert, um die Abwesenheit im Betrieb zu verkürzen. Gerade angesichts des Fachkräftemangels und der hohen Auslastung ist das ein wichtiger Faktor. Lernen durch Anfassen sowie der direkte Austausch im Gespräch sind für Löser + Anspach jedoch die effizientere Form der Ausbildung.
„Ich wage zu bezweifeln, dass wir das alles in die Ausbildung reinbekommen und dass es dann da eben in Gänze, ich sage jetzt mal, abgefrühstückt oder erledigt werden kann.“
Dafür ist der Ausbildungsberuf bereits heute zu umfangreich. Die Bereiche Sanitär und Heizung waren ursprünglich zwei getrennte Ausbildungsberufe, und das Berufsfeld ist entsprechend breit. Künftig könnten die Bereiche SHK, Gebäudetechnik und Gebäudeenergietechnik stärker zusammenwachsen, aber sich trotzdem weiter spezialisieren.
Wie stark beeinflusst die Förderung die Heizungswahl?
„Erfahrungsgemäß ist es immer noch so, dass die Wärmepumpe etwa zweieinhalb- bis dreimal teurer ist als der Eins-zu-eins-Ersatz durch eine Gasheizung. Je größer und komplexer die Anlage ist, desto eher geht es in Richtung des Drei- bis Dreieinhalbfachen. Dann wird es entsprechend aufwendiger.“
Entsprechend groß ist die Bedeutung der Förderung für viele Kunden.
„Solange die Förderung noch läuft, stellen wir fest, dass sie für die Leute tatsächlich entscheidend ist. Ich glaube, ohne Förderung würden im Privatbereich heute die wenigsten in eine Wärmepumpe investieren, weil es einfach noch einen großen Unterschied zur Standard-Gasheizung gibt. Die Förderung überzeugt dann doch den einen oder anderen, lieber in die Wärmepumpe zu investieren als noch einmal in eine fossile Anlage.“
Ein Grund für den Preisunterschied liegt im höheren technischen und handwerklichen Aufwand. Eine Wärmepumpe bringt mehr Anlagentechnik mit sich als eine einfache Gastherme, gleichzeitig ist auch der Einbau aufwendiger. Zwar sind die Anlagenpreise durch die steigende Zahl installierter Wärmepumpen bereits gesunken, Anke Löser geht jedoch davon aus, dass Wärmepumpen auch künftig teurer bleiben werden als Gasheizungen, unter anderem wegen des höheren Installationsaufwands.
Auch bei den Wärmepumpen selbst zeigen sich Unterschiede. Größere und etwas teurere Außeneinheiten sind nach ihrer Erfahrung häufig leiser und erreichen eine bessere Jahresarbeitszahl. Preis und Leistung hängen also durchaus zusammen.
„Man kann nicht sagen: Ich kann jetzt jede billige Wärmepumpe nehmen, die knattert dann vielleicht vor dem Haus wie ein kaputter Kühlschrank. Und vielleicht ist sie einfach nicht für einen Altbau geeignet.“
Welche Wärmepumpe dafür geeignet ist, variiert jedoch je nach Kundenprojekt. Löser + Anspach legt sich deshalb nicht auf einen Hersteller fest, sondern entscheidet individuell, welche Lösung am besten zum jeweiligen Objekt passt. Relativ häufig arbeitet das Unternehmen mit Wärmepumpen von Daikin, die ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten, aber auch diese sind nicht für jeden Einsatz geeignet.

