


Am Abend des 28. Januar 2025 verwandelte sich das Stuttgarter Rathaus in ein lebendiges Forum mit großem Andrang rund um das Thema Wärmewende.
Der BUND Kreisverband Stuttgart hatte zur Veranstaltung „Wärmepumpe im Bestand“ geladen. Mit ursprünglich 300 geplanten Plätzen wurden die Gäste erwartet. Kurz vor dem Beginn der Veranstaltung sah die Lage jedoch deutlich anders aus. Niemand hatte mit einem so großen Besucheransturm gerechnet und so mussten schnell noch weitere Unterbringungsmöglichkeiten für die Gäste gefunden werden.
In einer schnellen Umbauaktion wurden kurzerhand zwei weitere Räume bereitgestellt, in denen die Vorträge von Marek Miara, Jürgen Görres und Joel Grieshaber übertragen wurden. Insgesamt rund 600 Interessierte füllten den großen, mittleren und oberen Sitzungssaal, um Vorträgen und Diskussionen über die Zukunft einer klimafreundlichen Wärmeversorgung zu zuhören.
Begrüßung und informative Vorträge
Die Begrüßung der Veranstaltung übernahm Stuttgarts Bürgermeister Peter Pätzold, gefolgt von einer Einführung durch Dr. Schmidt (BUND) und Dr. Görres (Amt für Umweltschutz). Hauptredner des Abends waren Dr. Marek Miara (Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme) und Joel Grieshaber (Bundesverband Wärmepumpe e.V.). Beide zeigen auf, wie Wärmepumpensysteme auch in älteren Bestandsgebäuden erfolgreich eingesetzt werden können. Im Anschluss gab es eine Podiumsdiskussion und die Zuschauer konnten den Referenten Fragen stellen.
Kernthemen der Vorträge
In den Vorträgen kommentierten Marek Miara und Joel Grieshaber die politische Debatte rund um Wärmepumpen und führten aus, zeigten anschauliche Beispiele aus der Praxis von Heizungsmodernisierungen mit Wärmepumpe. Neben der Relevanz einer sorgfältigen Heizlastberechnung wurden sowohl ökologische als auch ökonomische Aspekte besprochen. Themenschwerpunkte waren hierbei die laufenden Fördermöglichkeiten und ein Kosten-Nutzen-Vergleich zu konventionellen Heizsystemen.
Dr. Marek Miara stellte Ergebnisse aus 20 Jahren Forschung mit über 350 vermessenen Bestandsanlagen vor. Diese zeigen, dass es kaum technische Gründe gegen Wärmepumpen im Bestand gibt. Anhand eines unsanierten Hauses von 1937 und eines leicht sanierten Gebäudes mit jeweils guten Effizienzwerten illustrierte Miara, wie alte Heizkörper auch mit neuen Wärmepumpen zusammen funktionieren können. Am Ende seines Vortrags betonte Miara, dass die Hauptherausforderung für die Wärmewende eher in der schnellen Umsetzung als in technischen Fragen liegt.

Im Anschluss an den Vortrag von Dr. Marek Miara übernahm Joel Grieshaber vom Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e.V. das Wort. Er ging zunächst auf die grundlegenden Aspekte ein, warum sich Wärmepumpen lohnen. Ein Fokus lag dabei auf den steigenden Gaspreisen und den zunehmenden Klimaschutzanforderungen.
Als erstes und eindrucksvolles Praxisbeispiel stellte Grieshaber die Umrüstung einer großflächigen Villa vor. Zunächst wurde die bestehende Heizungsanlage optimiert, was zu einer sofortigen Betriebskostensenkung um fast 50 Prozent führte. In der zweiten Phase folgten eine neue Heizlastberechnung (35 kW) und der Einbau einer vierfachen Wärmepumpen-Kaskade mit modulierender Leistung und optionaler Kühlfunktion. Die Auswertung der Heizperiode 2023/24 ergab einen Stromverbrauch von 21.252 kWh bei einer Jahresarbeitszahl von 3,2 und einer Vorlauftemperatur von 55 Grad Celsius. Auf diese Weise ließen sich die Heizkosten von ursprünglich 16.500 Euro auf rund 6.800 Euro pro Jahr reduzieren. Gleichzeitig sank der jährliche CO₂-Ausstoß von 40 Tonnen auf 8 Tonnen.
Im zweiten Praxisbeispiel ging es um eine nachträgliche Zentralisierung einer zuvor dezentralen Gas-Etagenheizung. Die Lösung basiert auf einer zentralen Wärmepumpenanlage mit Wohnungsstationen, in denen Warmwasser bei Bedarf elektrisch nach-erhitzt wird. Hierbei unterstrich Grieshaber die Vorteile einer „Kleinanlagenregelung“ für das Trinkwasser, die eine unkomplizierte und genaue Abrechnung pro Wohneinheit mittels Wärmemengenzähler ermöglicht.
Mit zwei weiteren Beispielen veranschaulichte Grieshaber, wie ein Wechsel zur Wärmepumpe auch bei größeren Immobilien oder älteren Mehrfamilienhäusern wirtschaftlich und technisch machbar ist. Hierbei ist eine umfassende Planung und eine genaue Heizlastberechnung zu legen.
Große Resonanz und Informationsbedarf
Aus der überraschend hohen Teilnehmerzahl des Abends lassen sich zwei Dinge ableiten: Einerseits ist das Interesse an der Wärmepumpentechnologie groß. Andererseits gibt es aber auch eine bestehende Verunsicherung und dementsprechend einen hohen Bedarf an Beratung zur Wärmepumpentechnik. Die Referenten berichteten von einer rundweg positiven Stimmung und sehr konstruktiven Fragen seitens des Publikums. Neben den Vorträgen gab es Infostände an denen sich die Besucherinnen und Besucher über Fördermöglichkeiten, konkrete Umsetzungsbeispiele und weiterführende Qualifizierungen informieren konnten.
