Im ersten Teil unserer Betrachtung von Chinas „Aktionsplan zur Förderung einer hochwertigen Entwicklung in der Wärmepumpenindustrie“ haben wir den politischen Rahmen, die Ausweitung der Nachfrage in zentralen Sektoren sowie neue industriepolitische Impulse in der Produktion beleuchtet.
Im zweiten Teil möchten wir die im Aktionsplan beschriebenen Maßnahmen zu Infrastruktur, Finanzierung, Standards und internationaler Positionierung zusammenfassen. Abschließend diskutieren wie die Frage, welche konkreten Auswirkungen sich daraus für den europäischen Wärmepumpenmarkt ergeben könnten.

Koordinierte Infrastrukturplanung
Ressourcen- und Standortplanung für Abwärme, Geothermie und Wasser sollen künftig konsequent gemeinsam mit der verfügbaren Netzkapazität gedacht werden. Für wasserbasierte Systeme sind neue Schutzauflagen vorgesehen, etwa ein Verbot der Nutzung nicht erneuerbaren Grundwassers.
Verteilnetze sollen systematisch auf ihre Belastbarkeit geprüft sowie flexibel und intelligent gesteuert werden, um insbesondere Winterspitzen zuverlässig bewältigen zu können. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau lokaler Abwärmenetze in Kombination mit saisonalen Speichern.
Staatliche Investitionen als zentraler Hebel
Für die industriepolitischen Vorhaben sind staatliche Investitionen als zentraler Hebel vorgesehen. Geplant sind unter anderem steuerliche Anreize. Wärmepumpen werden dabei als fester Bestandteil der Anlagenmodernisierung definiert. Ergänzend sollen Kataloge „grüner Technologien“ erstellt werden, die gezielt förderfähig sind.
Künftig sollen Anlagen zudem einheitliche Effizienzlabel erhalten, wie es in der EU bereits seit längerem praktiziert wird. Darüber hinaus ist der Aufbau eines Normensystems vorgesehen, das den gesamten Lebenszyklus umfasst, einschließlich Recycling und Demontage. Spezifische Standards sollen auch für Hochtemperatur-Wärmepumpen sowie für den Einsatz natürlicher Kältemittel entwickelt werden.
Standardisierung und Normung soll internationale Anschlussfähigkeit herstellen
Abschließend setzt der Aktionsplan auf internationale Zusammenarbeit und aktive Standardsetzung. Neue Kooperationsplattformen sollen die gegenseitige Anerkennung von Effizienzstandards und Labels fördern. Zugleich wird betont, dass China sich aktiv in internationale Normungsprozesse einbringen und internationale Foren gezielt nutzen will, um chinesische Technologien zu positionieren.
Damit zielt der Plan nicht nur auf die Stärkung des Binnenmarkts, sondern ebenso auf den systematischen Ausbau von Exportmärkten, flankiert von einer strategischen Mitgestaltung internationaler Standards.
Welche Konsequenzen könnten die Signale aus Peking für Europas Wärmepumpenbranche haben?
Der Wettbewerbsdruck auf Europa könnte deutlich steigen: Angekündigt sind ein Anziehen des Inlandsvolumens, eine modernisierte Fertigung, zentral entwickelte Kernkomponenten und ein Vorantreiben der internationalen Standardisierung. Chinesische Hersteller könnten dadurch ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit deutlich ausbauen, nicht nur im preissensiblen Segment, sondern zunehmend auch in technologisch anspruchsvolleren Bereichen wie Großwärmepumpen.
Für China bildet der Aktionsplan damit die Grundlage für einen beschleunigten Markthochlauf der Wärmepumpentechnologie. Gleichzeitig erhöht er den Qualitäts- und Konsolidierungsdruck im Markt. Strategisch zielt China zudem darauf ab, sich verstärkt in High-Value-Anwendungen zu positionieren und dort Wertschöpfung zu sichern.
Preisdruck mit Licht- und Schattenseiten
Eine mögliche Konsequenz für Europa ist ein steigender Preisdruck bei Luft-Wasser-Wärmepumpen und einzelnen Komponenten. Perspektivisch könnte jedoch auch das Segment der Großwärmepumpen für industrielle Prozesse betroffen sein. Die angestrebte stärkere Mitwirkung Chinas bei Zertifizierung, Normung und Nachweisführung zeigt an wachsendes Interesse an dem Sektor.
Für europäische Endkund:innen entsteht zugleich ein breiteres Angebot, voraussichtlich mit sehr kompetitiven Preisen. Europas Differenzierung im Wärmepumpensektor könnte sich dadurch stärker in Richtung Systemkompetenz verschieben. Insbesondere bei der Systemauslegung im Bestand, bei Installation und Qualitätssicherung sowie bei der Integration in Netze und Speicher bestehen weiterhin Entwicklungspotenziale und Wettbewerbsvorteile.
Allerdings adressiert der Aktionsplan explizit auch dieses noch bestehende Gap bei Qualität und Systemintegration: Der Anspruch, hier ähnlich wie bei Elektromobilität und Photovoltaik aufzuholen, ist klar formuliert.
Der chinesische Aktionsplan ist daher weniger als unmittelbare Bedrohung, sondern vielmehr als strategisches Warnsignal zu verstehen, an dem sich künftige industrie- und energiepolitische Planungen orientieren sollten.
Wärmepumpen sind kein homogenes Produkt, sondern ein komplexes System aus Komponenten, Kältemitteln, Sicherheits- und Regelungstechnik, Installation und Service, Normung, Zertifizierung sowie der Integration in bestehende Energiesysteme. In vielen dieser Wertschöpfungsstufen verfügt Europa weiterhin über erhebliche Stärken.
Voraussetzung ist jedoch, dass Europa einen stabilen, investitionssicheren und planbaren Rahmen für die Wärmepumpennachfrage schafft. Gleichzeitig braucht es gezielte Investitionen in industrielle Anwendungen sowie in Forschung und Entwicklung. Andernfalls dürfte Chinas erklärter Führungsanspruch den Wettbewerbsdruck auf die europäische Wertschöpfung deutlich erhöhen.
Hier geht es zu unserer DeepL Übersetztung von Chinas „Aktionsplan zur Förderung einer hochwertigen Entwicklung in der Wärmepumpenindustrie“:

