Die geopolitischen Spannungen im Nahen und Mittleren Osten und die Blockade der Straße von Hormus wirkt sich direkt auf die internationalen Energiemärkte aus. Rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und eine relevante Menge des frei gehandelten Flüssiggases passiert täglich die Meerenge – entsprechend sensibel reagieren die Märkte auf Einschränkungen des Schiffsverkehrs.
Der europäische Gaspreis am Handelsplatz TTF hat sich binnen einer Woche gut verdoppelt und lag laut der ING Bank zwischenzeitlich bei rund 65 Euro pro Megawattstunde.* Auch beim Heizöl sind die Auswirkungen bereits konkret spürbar: Laut Heizoel24 kostet eine Lieferung von 100 Litern inzwischen knapp 128 Euro,* nachdem der Preis noch vor wenigen Tagen unter 100 Euro gelegen hatte.
Da sich die Strompreise in der Regel eng mit dem Gaspreis zusammenhängen, ist bei über mehrere Wochen hohen Gasnotierungen auch bei den Strom-Futures mit weiterem Aufwärtsdruck zu rechnen. Auf Verbraucherebene sind diese Effekte bislang jedoch nur begrenzt sichtbar, da Versorger derzeitige Angebote oft auf Basis bereits bestehender Lieferverträge abschließen.
Die aktuellen Marktreaktionen verdeutlichen damit die strukturelle Verwundbarkeit einer Energieversorgung, die in hohem Maße von globalen fossilen Lieferketten abhängt.
Märkte preisen Unsicherheit ein
Die Preisbewegungen sind zunächst Ausdruck erhöhter geopolitischer Unsicherheit. Energiemärkte reagieren besonders dann empfindlich, wenn zentrale Transportwege betroffen sind. Noch liegt das Preisniveau deutlich unter den Extremwerten des Jahres 2022. Der weitere Verlauf und die Dauer der Eskalation sind jedoch schwer abzuschätzen.
Fossile Energieträger werden über globale Märkte gehandelt – mit kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Lieferverbindlichkeiten. Insbesondere kurzfristige Preise Preise bilden aktuelle geopolitische Risiken unmittelbar ab. Politische Spannungen oder blockierte Handelsrouten schlagen sich daher auf Kosten für Heizöl, Gas, Diesel und Benzin sowie industrielle Energiebedarfe durch – auch ohne physische Versorgungsengpässe.
Strommärkte und Industrie unter Druck
Auch die Strommärkte reagieren auf die steigenden Gasnotierungen. Die deutschen Juni-Kontrakte am Terminmarkt sind laut table Media zuletzt um über 20 Prozent auf zeitweise mehr als 86 Euro pro Megawattstunde gestiegen.* Sollte das erhöhte Gaspreisniveau anhalten, dürfte sich dieser Druck fortsetzen. Für Endverbraucher sind die Effekte bislang nur begrenzt sichtbar. Das liegt daran, dass Haushalte langfristige Lieferverträge oder Preisbindungen haben, sodass kurzfristige Schwankungen an den Großhandelsmärkten nicht unmittelbar an sie weitergegeben werden. Im Strommarkt für Haushaltskunden sind im Zuge der Energiepreiskrise 2022/2023 allerdings zunehmen üblich geworden, dass Versorger sich eine vergleichsweise kurzfristige Anpassung der Lieferpreise aufgrund starker Marktbewegungen vorbehalten.
Flexible Stromtarife orientieren sich hingegen am Day-Ahead-Spotmarkt (EPEX) zuzüglich Netzentgelten, Abgaben und Vertriebsmarge. Am Spotmarkt sind bislang allerdings noch keine nennenswerten Preisreaktionen erkennbar, da sich die kurzfristige Erzeugungssituation noch nicht verändert hat.
Struktur statt Einzelereignis
Die Straße von Hormus ist ein strategisches Nadelöhr des internationalen Energiehandels. Werden dort Öl- und LNG-Transporte eingeschränkt, steigen Risikoaufschläge nahezu automatisch.
Je länger Unsicherheit über die Dauer eines Konflikts besteht, desto stärker können diese Effekte anhalten. Die Entwicklung zeigt, wie anfällig eine Energieversorgung bleibt, die stark auf importierte fossile Energieträger und sensible Transportkorridore angewiesen ist.
Energiesouveränität stärken
Die aktuellen Entwicklungen unterstreichen die Notwendigkeit für Deutschland und Europa, langfristigunabhängig von fossilen Energieimporten zu werden. Solange Öl und Gas einen großen Teil der Wärme- und Industrieversorgung tragen, bleiben geopolitische Risiken ein unmittelbarer Preisfaktor.
Eine Energiepolitik, die auf mehr Energiesouveränität und Elektrifizierung von Wärme und Prozessen setzt, bedeutet nicht nur mehr Preisstabilität, sondern gewinnt als sicherheitspolitischer Faktor mit den Erfahrungen der letzten Jahre auch zunehmend an Bedeutung. Damit diese Transformation wirtschaftlich tragfähig bleibt, darf Strom jedoch nicht künstlich verteuert werden.
Der Vereinbarung im Koalitionsvertrag, die Strompreise um 5 Cent pro Kilowattstunde zu senken, müssen nun Taten folgen. Dazu gehört unter anderem die Senkung der Stromsteuer für alle Verbraucher auf das europäische Minimum, das schon für 2026 angekündigt war.
Ausblick
Wie sich der Konflikt im Nahen und Mittleren Osten weiterentwickelt, ist offen. Die Märkte reagieren bereits initial sensibel und werden selbst bei einer vergleichsweise kurzfristigen Einstellung der Kampfhandlungen kein Vertrauen in die Stabilität in der Region zurückgewinnen. Unabhängig vom konkreten Ausgang des aktuellen Konflikts zeigt sich jedoch erneut: Eine Energieversorgung, die stark von fossilen Importen abhängt, bleibt anfällig für geopolitische Risiken. Mehr Elektrifizierung und wettbewerbsfähige Strompreise sind daher keine kurzfristiger Krisenreflex, sondern ein strategischer Schritt hin zu mehr Stabilität und Energiesouveränität.
*Redaktionsschluss: 4. März 2026, 16:00 Uhr. Aufgrund der volatilen Marktsituation können sich die im Text genannten Preise seit diesem Zeitpunkt geändert haben.

