Podcast-Check: Neues Heizungsgesetz: Alle Heizungsarten sind wieder zugelassen

Das als „Heizungsgesetz“ bekannt gewordene Gebäudeenergiegesetz (GEG) sollte eigentlich den Klimaschutz im Gebäudesektor voranbringen. Nun wird es grundlegend reformiert und bekommt einen neuen Namen: Fortan heißt es Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG). Doch was bedeutet die Reform konkret? Dieser Frage geht der NDR Info Podcast auf den Grund.

Der Kern des bisherigen „Heizungsgesetzes“ war die 65-Prozent-Regel: Jede neue Heizung sollte nach einer Übergangsfrist zu mindestens 65 Prozent mit Erneuerbaren Energien betrieben werden. Diese Regelung soll nun abgeschafft werden.. Jan Zimmermann beleuchtet die wichtigsten Änderungen.

Biotreppe wird eingeführt

Fossile Gas- und Ölheizungen können grundsätzlich weiterhin eingebaut werden, so Zimmermann. Die bisher nur als Übergangsregelung bis 2026 (in Großstädten), bzw. 2028 (in allen anderen Kommunen) geltende “Biomassetreppe” erlebt ein Revival. Sie soll künftig die Dauerlösung für alle gas- oder ölbasierten Brennstoffe sein und heißt in den Eckpunkten der Koalition jetzt kurz “Biotreppe”. Neu eingebaute Heizungen müssten dann ab 2029 zunächst mit mindestens 10 Prozent “klimafreundlichen” Brennstoffen laufen, wie beispielsweise Biomethan, Wasserstoff oder Bioöl. Dieser Anteil müsse dann schrittweise ansteigen.

Zudem solle eine Grüngasquote eingeführt werden, die sich an die Hersteller und Lieferanten von Gas- und Öl richte. Diese müssten künftig zum Beispiel Biogas beimischen – effektiv wird diese aber nur den über die Biotreppe ohnehin erforderten Grüngasanteil erfordern und damit nicht für zusätzlichen Klimaschutz sorgen.

Konkurrenz zwischen Haushalten und Industrie befürchtet

Experten sähen das Vorhaben kritisch, betont Zimmermann. Biomethan, Bioöl und Wasserstoff sind aktuell sehr knapp und dementsprechend teuer. Zudem würden Sie zukünftig gebraucht, um die Industrie zu dekarbonisieren. Private Haushalte würden demnach mit der Industrie um knappe Ressourcen konkurrieren. „Die Koalition setzt hier auf das Prinzip Hoffnung“, resümiert Zimmermann: Durch das Gesetz solle ein Markthochlauf angeregt werden. Für Haushalte bleibe es dennoch ein enormes finanzielles Risiko, insbesondere für Mieterinnen und Mieter, die nicht selbst über die Heizung entscheiden können, aber die Brennstoffkosten tragen müssen.

Steigende Kosten für Verbraucher erwartet

Auch der Prozess der Beimischung klimafreundlicher Brennstoffe führe zu steigenden Kosten für die Hersteller bzw. Lieferanten, die wahrscheinlich an die Heizkunden weitergegeben würden, so laut Zimmermann die Befürchtung von Experten. Sozialverbände warnten deshalb im Zuge der Reform des Gesetzes neben der verfehlten Klimawirkung vor allem vor steigenden Kosten für Verbraucher.

Wie sich die Fachpolitiker und Umweltverbände zu der geplanten Reform äußern erfahrt ihr hier im Podcast: Neues Heizungsgesetz: Alle Heizungsarten sind wieder zugelassen | ndr.de