Der Klimawandel heizt Seen und Flüsse auf – mit nachteiligen Auswirkungen auf die Gewässerökologie. Ein Pilotprojekt an einem See südlich von Leipzig könnte die Antwort liefern. Im Winter wird Wärme abgezapft, um das angrenzende Feriendorf zu beheizen. Karl Urban berichtet im Deutschlandfunk Podcast von dem Projekt.
Wo heute südlich von Leipzig der Hainer See liegt, wurde früher Braunkohle abgebaut. Nach der Stilllegung wurde der Tagebau geflutet. Doch auch der neu entstandene See kann als Energiequelle genutzt werden. Das zeigt ein Seethermie-Pilotprojekt: An der Unterseite des Bootsstegs wurden parallel angeordnete Metallplatten montiert, durch die ein Kältemittel fließt. Das Kältemittel entnimmt dem Wasser Wärme, die von zwei Wärmepumpen an Land genutzt wird, um das angrenzende Feriendorf zu beheizen.
Welches Potenzial hat Seethermie in Deutschland?
Seethermie kann auch im großen Maßstab funktionieren, weiß Ingenieur Bernd Felgentreff, der sich seit Jahren mit Erneuerbaren Energien beschäftigt. Statt der Metallplatten, wie sie im Pilotprojekt in Leipzig verwendet werden, kommen dann fast einen Meter dicke Rohre zum Einsatz, um Wärme aus dem Wasser zu entnehmen. Rund 59 Terrawattstunden Wärme, fünf Prozent des Wärmebedarfs, könnten Seen in Deutschland so jährlich beisteuern. Die Seen müssen jedoch groß genug sein, sodass sie bei einer Abkühlung durch die Wärmeentnahme auch während eines strengen Winters nicht bis in große Tiefen zufrieren.
Welche Auswirkungen hat Seethermie auf die Gewässerökologie?
Gewässerökologe Dr. Karsten Rinke vom Helmholtz Zentrum für Umweltforschung betont, dass Pflanzen und Tiere unter diesen Voraussetzungen sogar von Seethermie profitieren können. In den meisten Fällen verbessert es die Gewässerökologie der Seen, da es der Aufheizung durch den Klimawandel und damit verbundenem Sauerstoffmangel im Wasser entgegenwirkt.

Wenn sich das Wasser nach dem Winter an der Oberfläche zu schnell aufheizt, bildet sich eine Temperaturschichtung im See. Das hat zur Folge, dass sich das Wasser nicht mehr durchmischt. In der Tiefe wird dann im Laufe des Sommers der Sauerstoff aufgezehrt. Wird der Sommer durch den Klimawandel immer länger, steigt die Gefahr, dass der See aufgrund des Sauerstoffmangels in der Tiefe kippt. Wird der See durch die Wärmeentnahme im Winter dagegen leicht abgekühlt, dauert es im Sommer länger, bis sich eine derartige Schichtung ausbildet. Die Durchmischung der Wasserschichten wird durch die Abkühlung im Winter befördert. Auf diese Weise können Wärmepumpen die Gewässerökologie sogar verbessern.
Wie geht der Seethermie-Ausbau voran?
Auch wenn das Pilotprojekt in Leipzig vielversprechend ist, gibt es bisher wenige Initiativen, Seethermie im großen Stil zu nutzen. Ein Großprojekt am Bodensee und ein Projekt in einem ehemaligen Tagebausee in Brandenburg befinden sich in einer fortgeschrittenen Planungsphase.
Welche Hürden für Seethermie-Projekte derzeit bestehen und in welchen Gebieten sie sich lohnt, erfahrt ihr direkt in der Podcast-Folge.

