Europa erlebt immer häufiger Phasen extremer Hitze. Was früher vor allem als Komfortfrage galt, wird zunehmend zu einer Frage von Gesundheitsschutz und hitzeresilienten Gebäuden. Das Problem wird besonders bewusst bei schlecht gedämmte Wohnungen, Pflegeeinrichtungen, Schulen oder Krankenhäuser. Diese können sich während längerer Hitzeperioden stark aufheizen.
In der Debatte über Wärmepumpen in Deutschland aber auch in Europa stand lange vor allem das Thema „Heizen mit Wärmepumpe“ im Mittelpunkt. Aber das wäre zu kurz gegriffen. Wärmepumpen können je nach System auch Gebäude im Sommer kühlen. Genau dieser Doppelnutzen rückt aktuell stärker in den europäischen Fokus. Die Wärmepumpe als Ganzjahrestechnologie!

Funktionsweise „Kühlen mit Wärmepumpe“
Grundsätzlich wird zwischen aktiver und passiver Kühlung unterschieden.
Bei der aktiven Kühlung ist der Verdichter der Wärmepumpe in Betrieb. Der Kältekreis wird umgekehrt, sodass dem Gebäude Wärme entzogen und nach außen abgeführt wird. Diese Form der Kühlung ist bei unterschiedlichen Wärmequellen möglich, also auch bei Luftwärmepumpen.
Bei der passiven Kühlung arbeitet die Wärmepumpe weitgehend ohne aktiven Kälteprozess. Überschüssige Wärme wird über eine Umwälzpumpe aus dem Gebäude in den kühleren Untergrund abgeführt. Diese Lösung kommt bei Erd- und Grundwasser-Wärmepumpen infrage. Sie ist besonders effizient, weil nur wenig Antriebsenergie benötigt wird. Gleichzeitig kann ein Teil der im Sommer abgeführten Wärme im Untergrund gespeichert und im Winter wieder für den Heizbetrieb nutzbar gemacht werden.
Brüssel schaut jetzt verstärkt auch auf Kühlung
Die European Heat Pump Association (EHPA) ordnet im Zusammenhang mit den Hitzewellen in Europa das Thema Kühlung nicht mehr als reine Komfortfrage ein. Kühlunf mit Wärmepumpe wird als notwendige Anpassungsmaßnahme gesehen, um Menschen vor Überhitzung in Innenräumen zu schützen. So wird das Thema Teil der energie- und sozialpolitischen Debatte des Gebäudesektors.
Europäische Energie- und Gebäudepolitik betrachtet Heizen und Kühlen zunehmend zusammen. Das lässt sich aus der derzeitigen Kommunikation der EU-Kommission. Die Energieeffizienzrichtlinie erkennt Kühlung bereits als Energiedienstleistung an. Die Gebäuderichtlinie adressiert sommerliche Anforderungen an Gebäude und Energieeffizienz. Auch die Erneuerbare-Energien-Richtlinie enthält eine Methodik zur Berechnung erneuerbarer Kühlung.
Aber auch neue politische Prozesse bringen das Thema derzeit voran. Die EHPA verweist insbesondere auf den angekündigten europäischen Cooling and Heating Action Plan. Auch der Electrification Action Plan der Europäischen Kommission behandelt das Thema Kühlung. Die EHPA kommunizierte diesbezüglich über den Vorschlag zu neuen sozial ausgerichteten Modellen wie Social Leasing für Wärmepumpen. Diese könnten helfen, effiziente Heiz- und Kühlsysteme auch für Haushalte mit geringerem Einkommen zugänglich zu machen. Gerade Menschen in schlecht gedämmten Gebäuden sind von Überhitzung besonders betroffen. Deshalb ist hier Kühlung nicht nur eine technische, sondern auch eine soziale Frage.
Weitere Infos zum Electrification Action Plan finden Sie in usnerem Blog Artikel: Europa Aktuell: Electrification Action Plan – BWP-Blog

