Am 16.09.2026 hielt EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) ihre Rede „State of the European Union“, kurz SOTEU, vor dem Straßburger EU-Parlament. Zum ersten mal mit einem Regierungschef dabei. Es war der kanadische Premierminister Mark Carney.

Ursula von der Leyen rückt mit Ihrer Rede Europas Abhängigkeit von fossilen Energieimporten ins Zentrum ihrer State-of-the-Union-Rede 2026. Das proklamierte Ziel heißt: mehr heimische erneuerbare Energie, schnellere Netzanbindungen, mehr Speicher und eine Verdopplung des Stromanteils bis 2040.
Fossile Importabhängigkeit wird zur Kostenfrage
Von der Leyen verbindet hohe Energiepreise unmittelbar mit Europas industrieller Wettbewerbsfähigkeit. Nach dem Ausfall russischer Gaslieferungen habe Europa seine Bezugsquellen bereits angefangen zu diversifizieren. Die Schließung der Straße von Hormus habe jedoch erneut offengelegt, wie teuer die allgemeine Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen ist. Seit Beginn des Konflikts seien dadurch zusätzliche Importkosten von 90 Milliarden Euro entstanden.
Aus der Rede lässt sich also nun eine Veränderung in der Kommunikation der Kommission sehen. Der derzeitige vorangetriebene Ausbau sauberer Energie wird nicht allein klimapolitisch begründet. Es geht hier um eine wirtschafts- und sicherheitspolitische Aufgabe. Dabei nennt von der Leyen erneuerbare Energien, Kernkraft, Biomethan und weitere Optionen ausdrücklich in einem technologieoffenen Rahmen. Bei all den Technologien ist der entschiedenste Faktor inwiefern diese Europa unabhängiger machen.
„Für diese Unabhängigkeit müssen wir Europa elektrifizieren.“
Ursula von der Leyen
Elektrifizierung von Europa
Bis 2040 soll sich der Anteil der Elektrizität am europäischen Energieverbrauch nach den Worten der Kommissionspräsidentin verdoppeln. Damit könne Europa seine Ausgaben für fossile Energieimporte um 260 Milliarden Euro pro Jahr verringern. Der im Juli 2026 veröffentlichte EU-Aktionsplan zur Elektrifizierung konkretisiert dieses Ziel mit einem indikativen Stromanteil von 46 Prozent im Jahr 2040.
Das ist auch wichtig für die anstehende Wärmewende, den circa die Hälfte des Energieverbrauchs in der EU entfällt auf Heizen und Kühlen. Das bietet natürlich Chancen. Wenn sich also der Stromanteil im Energiesystem deutlich erhöhen wird, sollte man das Thema Raumwärme, Warmwasser, Wärmenetze und industrielle Prozesswärme in den Blick nehmen. So wird die Wärmepumpen zu einer konkreten Anwendung hinter dem abstrakten Elektrifizierungsziel der EU. Hinzu kommen Großwärmepumpen, welche besonders für Wärmenetze geeignet sind.
Netze, Speicher und Anschlüsse entscheiden über die Umsetzung
Laut von der Leyen seinen im vergangenen Jahr in Europa mehr als 80 Gigawatt erneuerbare Erzeugungsleistung installiert worden. Zugleich warte eine sechsmal so große Kapazität auf einen Netzanschluss. Deshalb fordert sie schnellere Investitionen, beschleunigte Anschlüsse und mehr Speicherkapazitäten.
Auch das Verhältnis der Energiepreise bleibt entscheidend. Die Kommission weist selbst darauf hin, dass Strom in Europa häufig deutlich teurer ist als Gas. Solange Steuern, Abgaben und Netzentgelte effiziente elektrische Anwendungen benachteiligen, bleibt die politische Botschaft der Elektrifizierung im Alltag vieler Haushalte und Unternehmen unvollständig. Das Elektrifizierungsziel muss deshalb durch wettbewerbsfähige Strompreise, verlässliche Investitionsbedingungen und einen planbaren CO₂-Preispfad flankiert werden.
Klimapolitik mit Fokus auf Resilienz
Obwohl das Thema Klimaschutz weniger Nennungen erhalten als KI oder Sicherheit, hält von der Leyen ausdrücklich an den europäischen Klimazielen fest. Nach einem Sommer mit Bränden, Ernteausfällen, extremer Hitze und mehr als 35.000 zusätzlichen Hitzetoten kündigt sie einen neuen Rahmen für Klima Resilienz, einen europäischen Hitzewellenplan, eine Wasserinitiative und eine Klima-Versicherungsallianz an.
Auch hier kann die Wärmepumpe punkten. Reversible Wärmepumpen können je nach System effizient heizen und auch kühlen. Sie ersetzen damit keine städtebauliche Verschattung, Begrünung oder Gebäudesanierung, können aber Teil eines integrierten Konzepts für komfortable und resiliente Gebäude sein.
Weitere Schwerpunkte
Der Abschnitt über Elektrifizierung und erneuerbare Energien ist eingebettet in eine deutlich breitere Erzählung europäischer Handlungsfähigkeit. Bei künstlicher Intelligenz will die Kommission eigene Rechenkapazitäten ausbauen, Sicherheitsrisiken begrenzen und industrielle Anwendungen fördern. Dazu gehören laut von der Leyen intelligente Stromnetze. In der Industriepolitik stehen schnellere Genehmigungen, ein vertiefter Binnenmarkt, bessere Finanzierungsmöglichkeiten und die Verringerung kritischer Rohstoffabhängigkeiten im Mittelpunkt.
Quellenangabe:

