BWP-Aktuell: Handwerker Interview mit Olaf Genuth

Wie verändert die Wärmepumpe den Arbeitsalltag im SHK-Handwerk? Olaf Genuth Betriebsleiter von der Stein TGA GmbH aus Detmold spricht über technische Entwicklungen, Digitalisierung und Weiterbildung. Im Interview erläutert er außerdem, wie sein Betrieb Nachwuchs fördert und welche Rolle Investitionskosten und politische Rahmenbedingungen in Kundengesprächen spielen.


Unternehmen und Wärmepumpenpraxis

Herr Genuth, stellen Sie sich und das Unternehmen bitte kurz vor. Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen Sie, wie hat sich Ihr Betrieb in den vergangenen Jahren verändert – und was zeichnet die mehr als 120-jährige Firmengeschichte aus?

„Unser Unternehmen wurde 1904 von Siegwart Stein gegründet. Der Betrieb wurde bis 2012 von Arnold Stein sen. und Arnold Stein jun. weitergeführt. Arnold Stein jun. ist leider im Jahr 2023 verstorben. Im Jahr 2012 haben Mark Becker, Nils Becker und ich das Unternehmen übernommen.

Seit der Übernahme haben wir das Unternehmen kontinuierlich weiterentwickelt und konnten die Zahl unserer Mitarbeiter von ursprünglich sechs auf heute 30 steigern. Dieses stetige Wachstum ist Ausdruck unserer erfolgreichen Entwicklung und unseres gemeinsamen Engagements für die Zukunft des Unternehmens.“

Stein TGA GmbH

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

„Überwiegend bin ich bereits gegen 4:30 Uhr in der Firma. Die ruhige Zeit am frühen Morgen nutze ich gezielt für die Projektarbeit, für die ich im laufenden Tagesgeschäft aufgrund zahlreicher Unterbrechungen häufig nicht die notwendige Ruhe und Konzentration finde.“

Was war Ihr erstes Wärmepumpenprojekt? Wie haben sich Wärmepumpen seitdem technisch weiterentwickelt?

„Das Projekt, an das ich mich heute noch am stärksten erinnere, war die Umsetzung einer Split-Luft/Wasser-Wärmepumpe als Prototyp von Weishaupt.

Eine der größten Veränderungen, die ich im Laufe der Zeit bei Wärmepumpen beobachtet habe, ist die Entwicklung von einer rein stufigen Leistungsregelung hin zu einer modulierenden Betriebsweise. Moderne Wärmepumpen können ihre Leistung innerhalb eines bestimmten Bereichs kontinuierlich an den tatsächlichen Wärmebedarf anpassen. Dadurch lässt sich die Anlage wesentlich bedarfsgerechter und effizienter betreiben.“

Wo erwarten Sie die größten Veränderungen für Ihren Betrieb?

„Im Moment beschäftigt uns insbesondere die Frage der Nachfolge und die Entwicklung junger, engagierter Mitarbeiter, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. In den nächsten Jahren steht bei uns ein Generationenwechsel an, auf den wir uns bereits frühzeitig vorbereiten.

Die ersten Schritte in diese Richtung sind aus meiner Sicht gut angelaufen. Wir möchten jungen Mitarbeitern die Möglichkeit geben, sich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln und nach und nach mehr Verantwortung im Unternehmen zu übernehmen. Damit schaffen wir eine wichtige Grundlage für die langfristige Zukunft unseres Unternehmens.“


Digitalisierung und Zukunft des Handwerks

Wie verändert sich das Handwerk? Welche neuen Kompetenzen braucht ein Heizungsbauer heute im Vergleich zu vor zehn Jahren?

„Aus meiner Sicht hat sich das Handwerk in den vergangenen Jahren zunehmend von der reinen Anlagenmontage hin zu einem immer stärker von Elektronik und Regelungstechnik geprägten Tätigkeitsfeld entwickelt.

Bedauerlich finde ich, dass die früher eigenständigen Berufe des Heizungs- und Lüftungsbauers sowie des Gas- und Wasserinstallateurs zum heutigen Beruf des Anlagenmechanikers für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik zusammengeführt wurden. Meiner Einschätzung nach besteht dadurch die Gefahr, dass einzelne Ausbildungsinhalte der ursprünglichen Fachrichtungen nicht mehr in der gleichen Tiefe vermittelt werden können.“

Welche Tools nutzen Sie, um Ihren Arbeitsalltag und Ihre Betriebsabläufe zu digitalisieren?

„Wir nutzen ein branchenspezifisches Afa-Programm, das uns insbesondere in den Bereichen Buchführung, Ausschreibung und Bestellwesen unterstützt.

Für die technische Projektbearbeitung setzen wir verschiedene Programme ein, beispielsweise für die Berechnung von Heiz- und Kühllasten sowie für weitere technische Planungs- und Auslegungsaufgaben.“

Welche Technologien und Modernisierungsmaßnahmen werden heute häufig mit der Wärmepumpe kombiniert – und welche Kombinationen sind besonders sinnvoll?

„Meistens sehe ich Wärmepumpen in Kombination mit Photovoltaikanlagen. Aus meiner persönlichen Sicht ist das eine der sinnvollsten Varianten, da sich der selbst erzeugte Strom direkt für den Betrieb der Wärmepumpe nutzen lässt. Allerdings ist diese Kombination in der Anschaffung auch mit entsprechend hohen Investitionskosten verbunden.“


Ausbildung und Fachkräftesicherung

Erleben Sie Fachkräftemangel? Welche Möglichkeiten sehen Sie, dem zu begegnen – auch mit Blick auf die gesamte Branche?

„Um dem zunehmenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken, versuchen wir jedes Jahr, mit drei Auszubildenden in die neue Ausbildungsphase zu starten. Leider können wir nicht immer alle Auszubildenden bis zum Abschluss halten, da es dafür die unterschiedlichsten persönlichen und beruflichen Gründe gibt.

Dennoch ist die Ausbildung für uns ein wichtiger Bestandteil unserer Fachkräftesicherung und damit auch eine Investition in die Zukunft unseres Unternehmens.“

Welche Rolle spielt Weiterbildung in Ihrem Betrieb?

„Wir sind davon überzeugt, dass gut ausgebildete Mitarbeiter, die stets auf dem aktuellen Stand der Technik bleiben, ein Unternehmen nachhaltig weiterbringen und die Qualität unserer Arbeit deutlich verbessern.

Aus diesem Grund legen wir großen Wert auf gezielte Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für unsere Mitarbeiter. So stellen wir sicher, dass unser Team fachlich immer auf dem neuesten Stand bleibt und neue technische Entwicklungen kompetent in unsere tägliche Arbeit einfließen können.“


Politik und Förderung im Kundengespräch

Was hat sich durch die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen in Ihren Kundengesprächen verändert?

„Durch die aus unserer Sicht teilweise unübersichtliche politische Entwicklung und die sich verändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen ist es für uns deutlich schwieriger geworden, Kunden von einer Umstellung fossiler Heizsysteme auf eine Wärmepumpe zu überzeugen.

Ein wesentlicher Punkt sind dabei die höheren Investitionskosten. Die Anlagentechnik einer Wärmepumpenanlage ist in der Anschaffung häufig deutlich kostenintensiver als beispielsweise ein Gas-Brennwertgerät. Diese höheren Anfangsinvestitionen müssen wir unseren Kunden entsprechend erklären und die langfristigen Vorteile einer Wärmepumpe verständlich vermitteln.“

Wie stark beeinflusst die BEG-Förderung die Heizungswahl? Zählen für Kunden vor allem die Anschaffungskosten oder vermehrt auch Zukunftssicherheit und erneuerbare Wärme?

„Bislang habe ich nur selten erlebt, dass Kunden bei der Auswahl einer Anlagentechnik in erster Linie auf deren Zukunftssicherheit achten. Einige haben sich bereits im Vorfeld intensiv mit der Technik beschäftigt und kommen mit dem konkreten Wunsch nach einer Wärmepumpe auf uns zu. Für andere Kunden spielt die eingesetzte Technik hingegen eine eher untergeordnete Rolle.

Vereinfacht gesagt haben die Anschaffungskosten für viele Kunden einen maßgeblichen Einfluss darauf, für welche Heiztechnik sie sich letztendlich entscheiden. Es ist für einen Kunden schließlich ein deutliches Entscheidungskriterium, ob die Anschaffung einer neuen Heizungsanlage beispielsweise 8.000 bis 9.000 Euro für eine Gasheizung oder trotz möglicher Förderung rund 15.000 Euro für eine Wärmepumpe kostet.

Gerade bei solchen Investitionssummen spielt der Preis bei der Entscheidungsfindung eine wesentliche Rolle.“


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Stein TGA — Sanitär, Heizung, Klima in Detmold