Referenzobjekt: Die Ostsee bringt eine Wärmewelle ins Hafenquartier

Referenzobjekt der Woche

Die Wärmewende beginnt hier nicht erst in der Energiezentrale, sondern bereits im Hafenbecken.

In Neustadt in Holstein übernimmt eine Meerwasserwärmepumpe die ganzjährige Versorgung des neuen Quartiers. Wasser aus der Ostsee dient ihr als Wärmequelle, wobei die daraus gewonnene Wärme über ein lokales Nahwärmenetz sowohl zu denkmalgeschützten Bestandsgebäuden als auch zu Neubauten gelangt.

Die Stadtwerke Neustadt in Holstein ordnen die Anlage als erste Meerwasser-Wärmepumpe in Deutschland ein, die Wärme in ein größeres Wärmenetz einspeist. Nach einem mehrmonatigen Probebetrieb begann die reguläre Wärmelieferung im September 2026.

Bildcredit: SWNH

Vom Quartierskonzept bis zur Inbetriebnahme

Die Entwicklung des neuen Hafenquartiers mit Wohnen, Gewerbe, Kultur und Tourismus begann bereits 2012. Gemeinsam mit der Stadt entwickelten die Stadtwerke Neustadt in Holstein die Idee, das Quartier über eine zentrale Anlage mit Wärme aus der Ostsee zu versorgen.

Auf die Planungen und eine Machbarkeitsstudie folgte 2020 der Förderantrag im Programm „Wärmenetze 4.0“, der im darauffolgenden Jahr bewilligt wurde. Die wasserrechtliche Erlaubnis lag 2022 vor, im selben Jahr begann der Bau; die Wärmepumpe wurde 2025 eingebaut und 2026 in Betrieb genommen.

Vom Hafenbecken in die Energiezentrale

Das technische System besteht aus einer Entnahmestation am Hafenbecken, der Energiezentrale und dem rund zwei Kilometer langen Wärmenetz. In der Entnahmestation wird das Ostseewasser aufgenommen, gefiltert und gereinigt, bevor Pumpen es zur Energiezentrale transportieren.

Dort überträgt ein Wärmeübertrager die im Meerwasser enthaltene Wärme auf einen getrennten Glykolkreislauf. Das abgekühlte Meerwasser fließt anschließend zurück in die Ostsee, während die Wärmepumpe die aufgenommene Umweltwärme auf das benötigte Temperaturniveau des Heizwassers hebt.

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Zwei Leistungsstufen und bis zu 72 Grad Vorlauf

Herzstück der Anlage ist eine zweistufige Wasser/Wasser-Wärmepumpe vom Typ DualPAC 104/108 W. Sie stellt in der ersten Ausbaustufe 700 kW und in der zweiten Ausbaustufe 1.000 kW Heizleistung bereit.

Die Anlage erreicht Heizwasservorlauftemperaturen von bis zu 72 °C und ist mit einem Pufferspeicher von 25.000 Litern verbunden. Damit kann das Nahwärmenetz unterschiedliche Gebäudetypen versorgen, darunter denkmalgeschützte Bestandsgebäude und Neubauten sowie Wohngebäude, Gewerbebetriebe und öffentliche Einrichtungen.

Wärmenetz wächst mit dem Hafenquartier

Das Nahwärmenetz wird parallel zur weiteren Entwicklung des Quartiers schrittweise erweitert. Für die Wärmeverteilung kommt ein flexibles RAUTHERMEX-Rohrsystem aus Polyethylen von REHAU zum Einsatz.

Neben der Meerwasser-Wärmepumpe fließen Abwärme aus einem Müllheizkraftwerk und eine Spitzenlastversorgung in das Wärmesystem ein. Damit umfasst das Versorgungskonzept mehrere aufeinander abgestimmte Wärmequellen und Erzeugungskomponenten.

Betreiber der Anlage sind die Stadtwerke Neustadt in Holstein. Als Hersteller führt die BWP-Projektseite Johnsen Controls Dänemark auf, die Installation übernahm die Johann Christoffers GmbH & Co. KG; Averdung Ingenieure & Berater GmbH verantwortete die Planung und Xylem Water Solutions Deutschland GmbH die Meerwasserentnahme.


Hier geht es zu unserem Referenzobjekt: Meerwasserwärmepumpe der SWNH | BWP | waermepumpe.de

Quelle: Einweihung der Meerwasser-Wärmepumpeunter dem Motto „Innovative Wärme, die Wellen schlägt – Stadtwerke Neustadt in Holstein