Abwärme der Chemieproduktion wärmt Hernes Fernwärmenetz

Referenzobjekt der Woche

Die Energie im Kühlwasser bekommt in Herne eine neue Aufgabe.

Auf dem Werksgelände von Evonik erschließen Uniper und Evonik industrielle Abwärme für die regionale Wärmeversorgung. Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe hebt die im Kühlwasser enthaltene Energie auf das benötigte Temperaturniveau und speist sie in das Netz der Iqony Wärme GmbH ein. Die bereitgestellte Wärme kann rund 1.000 Privathaushalte versorgen.

Von 28 °C auf bis zu 130 °C

Als Wärmequelle dient rund 28 °C warmes Kühlwasser aus der Chemieproduktion. Die Wasser/Wasser-Wärmepumpe hebt dessen Temperatur in einem einstufigen Prozess auf bis zu 130 °C an und macht die Abwärme damit für die Fernwärmeversorgung nutzbar.

Bei einer elektrischen Leistungsaufnahme von maximal 0,5 MW stellt die Anlage bis zu 1,5 MW Wärmeleistung bereit. Die Kühlleistung beträgt bis zu 1,0 MW.

Bildrechte: Uniper/Evonik 

Drei Partner verbinden Produktion und Wärmenetz

Die Aufgaben sind entlang des Wärmewegs zwischen drei Unternehmen verteilt. Evonik betreibt die Chemieproduktion und stellt das Kühlwasser mit der darin enthaltenen Abwärme zur Verfügung. Uniper investierte in die Wärmepumpe, beschafft Ökostrom für ihren Betrieb und verkauft die erzeugte Wärme an Iqony. Die Iqony Wärme GmbH übernimmt sie und verteilt sie über ihr Fernwärmenetz an die Endkundinnen und Endkunden.

Für die Einbindung bietet der Standort eine günstige Voraussetzung: Eine bestehende Fernwärmeleitung verläuft unmittelbar am Chemiewerk. Dadurch konnte die neue Anlage direkt an die vorhandene Infrastruktur angeschlossen werden.

Bildrechte: Uniper/Evonik 

Vorgefertigte Module verkürzen die Bauphase

Rank ORC SL fertigte die Wärmepumpe in Spanien vor und lieferte sie in einzelnen Modulen nach Herne. Die technischen Komponenten sind in mehreren miteinander verbundenen und teilweise gestapelten Containern untergebracht. Diese Bauweise verkürzte die Arbeiten am Werksstandort und erleichtert zugleich eine mögliche Übertragung des Konzepts auf andere Industriestandorte.

Im April 2026 war die Anlage betriebsbereit und wartete noch auf die Abnahme durch die Stadt Herne. Im weiteren Jahresverlauf wurde sie in Betrieb genommen. Für das Pilotprojekt ist eine Erprobungsphase von zweieinhalb Jahren vorgesehen.

Bildrechte: Uniper/Evonik 

Erprobung mit Ausbauperspektive

Für den Betrieb wird eine jährliche CO₂-Minderung von rund 1.750 Tonnen erwartet. Dabei handelt es sich um einen Zielwert und noch nicht um ein Ergebnis aus einem vollständigen Betriebsjahr.

Nach Einschätzung der Betreiber besitzt der Evonik-Standort das Potenzial, künftig das Zehn- bis Zwanzigfache der derzeit vorgesehenen Fernwärmemenge aus industrieller Abwärme bereitzustellen. Eine konkrete weitere Ausbaustufe ist damit noch nicht festgelegt; zunächst liefert die Pilotphase Erkenntnisse für den dauerhaften Betrieb und eine mögliche Übertragung auf andere Standorte.

Hersteller und Installateur der Hochtemperatur-Wärmepumpe ist Rank ORC SL. Die Planung übernahmen Rank ORC, Uniper Kraftwerke und Evonik Operations gemeinsam.


Quelle: Wärme aus Herne wird jetzt nachhaltiger – Herne – Ruhrgebiet – Mein NRW – WDR

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