Lesenswert: Chinas 15. Fünf-Jahre-Plan (teil 1)

China setzt mit dem 15. Fünfjahresplan die Leitplanken für 2026 bis 2030. Der Plan definiert zentrale wirtschafts- und industriepolitische Rahmenbedingungen. Für international agierende Unternehmen ist er deutlich mehr als nur ein politisches Zeichen: Er fungiert als strategische Orientierung, die Technologieentscheidungen, Marktpotenziale, regulatorische Veränderungen und die Wettbewerbslandschaft wesentlich beeinflussen wird.

Der von uns übersetzte Auszug zeigt dabei deutlich, dass in China Klimapolitik nicht als Einzelthema behandelt wird, sondern als Umbauprogramm für Wirtschaft, Infrastruktur und Regulierung. Wir haben uns den 15. Fünf-Jahres-Plan speziell zu den Themenpunkten Wärmeversorgung und Dekarbonisierung-Strategien angeschaut. Im Bezug auf die Wärmepumpe, welche einen eigenen Aktionsplan in China genießt, ist das relevant, weil Wärme, Strommix, Effizienzanforderungen und Produktstandards in einem gemeinsamen Rahmen zusammenlaufen.


Der Anspruch der Ziele für die nächsten Jahre ist „synergetisch“ voranzutreiben. Das bedeutet neben der Reduzierung der CO2-Emissionen auch die Bekämpfung der Umweltverschmutzung und zugleich wirtschaftliches Wachstum. China sieht den Dekarbonisierungedanken als Modernisierungsprojekt. Das soll auf regionaler Ebene durch Planung, Investitionen und Standards umgesetzt werden. Generell ist der Plan wichtig auf regionaler und lokaler Ebene, denn hier werden die Vorgaben direkt umgesetzt.

Kapitel 47 („Aktive und stetige Förderung und Erreichung des CO2-Emissionshöchststandes“).
Der von uns ausgewählte Artikel 47 verknüpft Industrie-, Energie- und Verkehrsstruktur mit Politik. So werden CO2-Ziele in praktische Steuerung des Marktes übersetzt. Zentral ist dabei die „vollständige Umsetzung des dualen Kontrollsystems für Kohlenstoffemissionsvolumen und -intensität“. Gemeint ist damit ein System, dass nicht nur Emissionsziele benennt, sondern deren Einhaltung über Instrumente absichert. Hierfür werden lokale Bewertungen, sektorale Kontrollen, Unternehmens-Kohlenstoffmanagement und projektbezogene Bewertungen genannt.

CO2 wird im Plan auch als Kriterium gewertet, dass in Investitionsentscheidungen hineinwirkt. Man wolle „Energieeffizienzprüfungen und Kohlenstoffemissionsbewertungen für Investitionsprojekte […] verstärken“. Damit könnte ein entscheidender Druck auf energie- und emissionsintensive Lösungen wirken. Somit könnte sich die Ausgangslage für Technologien, die Effizienz und Emissionsminderung gleichzeitig liefern verbessern. Wärmepumpen spielen hier laut Aktionsplan gerade im Gebäude- wie in Industrieanwendungen eine wichtige Rolle. In Kombination mit dem 15. FJP ist es also eine Technologie, die gerade aufgrund der beiden Pläne eine rapide Entwicklung erwarten kann.



Grüne und kohlenstoffarme Wärme

Der Plan sieht eine „umweltfreundliche und kohlenstoffarme Umstellung von Heizsystemen“ vor. Diese soll beschleunigt werden. Die Wärmeversorgung wird damit explizit als Transformationsfeld adressiert. Gleichzeitig nennt der Plan die „Entwicklung der Abwärmenutzung… nach lokalen Gegebenheiten“ sowie die „Heizung mit nicht fossilen Brennstoffen“. Da Abwärme in dem Fünfjahresplan verankert ist, kann es als ein Vorläufer für Programme, Standards und lokale Umsetzungsaufträge gesehen werden. Insofern ist es deckungsgleich mit dem Aktionsplan zum Wärmepumpenhochlauf in dem auch eine neue Marktdynamik im Segment der Industrie-Wärmepumpen und Quartierslösungen vorgesehen ist.

Der Gebäudesektor
Der Plan adressiert auch den chinesischen Gebäudesektor. Er sieht vor, die „energetische Sanierung und CO2-Reduzierung bestehender Gebäude und kommunaler Einrichtungen“ zu verstärken und die „großflächige Entwicklung von Niedrigenergie- und Fertiggebäuden“ zu fördern. Damit wird gleichzeitig ein großer Markt für Wärmepumpen aufgebaut, in dem Effizienz systematisch eingefordert wird. Zweitens verbessert Sanierung die technischen Randbedingungen für mögliche Wärmepumpen. Sinkende Heizlasten, niedrigere Vorlauftemperaturen und eine bessere Regelbarkeit erhöhen die Effizienzpotenziale von Wärmepumpensystemen und erleichtert die Integration in Bestandsgebäude.

Dass der Plan ausdrücklich auch kommunale Einrichtungen nennt, deutet zudem darauf hin, dass öffentliche Gebäude als Hebel genutzt werden können, um Sanierung und neue Standards zu skalieren.

Elektrifizierung
Ein weiterer Punkt im Fünf-Jahres-Plan ist die Kopplung von Elektrifizierung und Strommix. Der Plan nennt als Maßnahmen, den Kohleverbrauch zu „kontrollieren und reduzieren“ und die „Abdeckung des neuen Strombedarfs durch neuen Strom aus sauberen Energien“ zu beschleunigen. Auch hier sind Wärmepumpen wichtig. Der zusätzliche Bedarf für grünen Strom der für Wärmepumpen genutzt werden kann ist politisch gewollt. Damit wird Elektrifizierung nicht nur toleriert, sondern strukturell abgesichert. Die Versorgung mit sauberem Strom wird zum Teil der Gesamtlogik für ein modernes China.

Im zweiten Teil schauen wir uns genauer die Aspekte der Effizienzmechanismen, Grenzwerte, Zertifizierung und den Aspekt von internationalen Standards genauer an. Zudem ordnen wir den Plan in den globalen und europäischen Kontext ein.

Hier geht es zum Teil 2:


Hier geht es zu unserer KI-basierten Übersetzung der von uns gewählten relevanten Teile des 15. Fünf-Jahre-Plan von China: