Im Ernstfall für die Wärmepumpe


Der Klimabeirat der Stadt Frankfurt bringt sich in die Debatte um die kommunale Wärmewende ein: Drei Ideen stehen dabei im Fokus:

  • Erstens, fossile Heizungen im Havariefall konsequent durch Wärmepumpen zu ersetzen.
  • Zweitens, die Sanierungsrate zu erhöhen.
  • Und drittens, die Herausforderungen beim Ausbau der Stromverteilnetze. Letztere bremsen aktuell auch den zeitnahen Bau einer Großwärmepumpe am städtischen Klärwerk aus.

Sanierung darf Heizungstausch nicht ausbremsen

Dieser Ansatz, „Worst-Perfoming Buildings“ zu sanieren, ist fachlich richtig, greift jedoch zu kurz, wenn er als alleinige Strategie verstanden wird. Denn zahlreiche Studien und Praxiserfahrungen zeigen: Ein großer Teil des Gebäudebestands in Deutschland kann bereits heute mit Wärmepumpen im Bestand betrieben werden – auch ohne umfassende Vollsanierung. Die Gebäudesanierung bleibt ein wichtiger Baustein der Wärmewende, darf aber nicht zur Voraussetzung für den Heizungstausch werden. Entscheidend ist vielmehr, den Austausch fossiler Heizsysteme konsequent voranzutreiben.

Bei Havarie fossiler Systeme muss auf Wärmepumpe gesetzt werden

Genau hier setzt eine weitere zentrale Empfehlung des Klimabeirats an: Beim Ausfall fossiler Heizungen im kommunalen Bestand (2.500 Gebäude sind in Frankfurt in städtischer Hand) soll künftig konsequent auf Wärmepumpen als Heizsystem umgestellt werden. Dieser Ansatz ist besonders wirksam, da er an realen Entscheidungssituationen anknüpft. Der Moment einer defekten Heizung ist in der Praxis der entscheidende Hebel für die Transformation der Wärmeversorgung. Wird hier erneut in fossile Technologien investiert, verzögert sich die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung um Jahre. Erfolgt hingegen der Umstieg auf eine Wärmepumpe, entsteht sofort ein Beitrag zum Klimaschutz im Gebäudesektor.

Blick auf ein Hochhaus mit Sonnenaufgang


Während die technologische Lösung mit der Wärmepumpe weitgehend etabliert ist, zeigt sich in Frankfurt ein anderes, zunehmend kritisches Problem: die Stromnetzkapazität und der Netzausbau. Am Beispiel einer geplanten Großwärmepumpe in Frankfurt, die Abwärme aus gereinigtem Abwasser nutzen und in das Fernwärmenetz einspeisen soll, wird deutlich, wie stark Stromnetzfragen die Wärmewende beeinflussen. Trotz verfügbarer Technologie und geeigneter Wärmequelle ist ein Betrieb derzeit nicht möglich, da die notwendigen Netzkapazitäten im Stromnetz fehlen. Ein Anschluss ist nach aktuellem Stand erst in vielen Jahren realisierbar.

Für die Wärmewende in Städten wie Frankfurt bedeutet das eine klare Prioritätensetzung. Der Ausbau der Stromverteilnetze muss deutlich beschleunigt und konsequent an den Anforderungen der Dekarbonisierung ausgerichtet werden. Die klimaneutrale Wärmeversorgung ist Teil der kritischen Infrastruktur und darf in der Energieplanung nicht nachrangig behandelt werden.


Gleichzeitig unterstreicht die Situation die Bedeutung dezentraler Lösungen. Wärmepumpen im Gebäudebestand können schneller umgesetzt werden, reduzieren die Abhängigkeit von zentralen Großprojekten und entlasten das Energiesystem insgesamt. Gerade im Zusammenspiel mit einem schrittweisen Netzausbau entsteht so ein robuster und skalierbarer Pfad zur CO₂-neutralen Wärmeversorgung.

Die Entwicklung in Frankfurt zeigt damit exemplarisch: Die Wärmewende entscheidet sich nicht allein bei der Wahl der Technologie, sondern vor allem bei der Frage, wie schnell Infrastruktur, Netze und Umsetzungskapazitäten mitwachsen. Die Wärmepumpe ist längst eine zentrale Lösung – jetzt kommt es darauf an, die systemischen Voraussetzungen für ihren flächendeckenden Einsatz zu schaffen.

Weiterführende Informationen zur Kommunalen Wärme- und Stromnetzplanung finden Sie hier.