Referenzobjekt: Erster Klimaturm in Bremen in Betrieb

Auf der Bremer Überseeinsel ist am 30. Juni 2026 der erste Klimaturm der Towergy GmbH in Betrieb gegangen. Bauherr ist die Stadt.Energie.Speicher GmbH. Die vertikale Luft-Wasser-Großwärmepumpe versorgt den künftigen Klimacampus sowie umliegende Künstlerateliers mit Wärme und Kälte.

Foto: Hauke Dressler

Vertikale Luft-Wasser-Großwärmepumpe mit wenig Flächenbedarf

Technisch setzt der Klimaturm auf eine Fenagy-Wärmepumpe mit Luft als Wärmequelle. Als Kältemittel kommt CO2 zum Einsatz, also ein natürliches Kältemittel. Die berechnete Jahresarbeitszahl liegt bei 3,0. Die Anlage kann laut Angaben von Towergy auch bei Außentemperaturen bis minus 20 Grad Celsius arbeiten.

Je nach Anwendung erreicht der Klimaturm Vorlauftemperaturen zwischen 55 und 85 Grad Celsius. Das ist besonders relevant für Bestandsgebäude und Quartiere, in denen die Wärmeverteilung nicht immer auf niedrige Systemtemperaturen ausgelegt ist. Ein zentrales Merkmal ist der vertikale Aufbau. Die Luft wird von vier Seiten angesaugt, die abgekühlte Luft anschließend nach oben abgeführt. Dadurch benötigt die Anlage nur eine geringe Grundfläche.

Eine Lösung für die Lücke zwischen Fernwärme und Einzelwärmepumpe

Bei der Einweihung am 30. Juni 2026 bezeichnete Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte den Klimaturm als „echte Innovation“ (Senatspressestelle Bremen). Er ordnete das Projekt vor allem als mögliche Lösung für städtische Gebiete ein, die in der kommunalen Wärmeplanung nicht eindeutig der klassischen Fernwärme oder einer vollständig dezentralen Versorgung zugeordnet werden können.

Vor dem Klimaturm (von links): Tobias Werner (Geschäftsführer Stadt.Energie.Speicher GmbH und Towergy GmbH), Bürgermeister Andreas Bovenschulte, Klaus Meier (Geschäftsführer Stadt.Energie.Speicher GmbH), und Prof. Dr. Rolf-Peter Strauß (Geschäftsführer Towergy GmbH). Foto: Senatspressestelle

Laut Bovenschulte sei in machen Quartieren der flächendeckende Fernwärmeausbau wirtschaftlich oder baulich schwierig. Gleichzeitig fehlt bei einzelnen Gebäuden mitunter Platz oder Investitionsspielraum für eigene Wärmepumpen.

Leise Bauweise für dicht bebaute Gebiete

Neben der Fläche ist in Wohn- und Mischquartieren auch der Schallschutz ein entscheidender Faktor. Der Klimaturm ist laut Hersteller so konzipiert, dass die Geräuschbelastung gering bleibt. Dazu tragen die Einhausung, die vertikale Luftführung und die nach oben abgeführte Abluft bei.

Schrittweise Nahwärmenetze statt großer Anfangsinvestition

Ein weiterer Vorteil liegt im modularen Ansatz. Nach Angaben von Towergy soll die Bauzeit bei etwa drei Monaten liegen. Der Klimaturm kann je nach Auslegung und Heizsystemen der angeschlossenen Gebäude bis zu 300 Wohneinheiten mit Wärme versorgen.

Damit kann ein Nahwärmenetz schrittweise wachsen. So können zunächst immer weitere einzelne Quartiere erschlossen werden. Wenn weitere Verbraucher hinzukommen, lassen sich zusätzliche Anlagen ergänzen und kleinere Netze perspektivisch verbinden.

Serienproduktion in Bremerhaven geplant

Der erste Klimaturm in Bremen ist zugleich der Auftakt für eine größere Skalierung. Ende 2026 soll in Bremerhaven die Serienproduktion starten. Nach den eigenen Angaben plant Towergy zunächst bis zu 50 Türme pro Jahr zu produzieren. Perspektivisch ist bei entsprechender Nachfrage eine Ausweitung auf bis zu 100 Türme jährlich auch für den internationalen Markt vorgesehen.

Neben dem Verkauf an Stadtwerke sind künftig auch Contracting-Modelle sowie Kooperationen mit Energiegenossenschaften geplant.


Hier geht es zu dem Projekt in unserer Referenzdatenbank: Erster Klimaturm in Bremen | BWP | waermepumpe.de

Quellen: Bürgermeister Bovenschulte: „Eine echte Wärme-Innovation“ – Pressestelle des Senats
Erster Klimaturm geht in Bremen in Betrieb