Lesenswert: Verlässlichkeit entscheidet den Wärmepumpenhochlauf mit

Ein vor kurzem veröffentlichter EconPol-Report analysiert die Wirkung von höheren CO2-Preisen und inwiefern diese grüne Investitionen stärken. Unsicherheit kann diesen Effekt laut Autoren vollständig aufheben. Für die ETS2 Debatte sowie die Wärmepumpe ergibt sich daraus eine wichtige Erkenntnis. Nicht nur die Preishöhe zählt. Entscheidend sind auch ein verlässlicher Pfad und glaubwürdige Regeln.

Ein Preissignal allein reicht nicht

Das europäische Emissionshandelssystem soll Investitionen in klimafreundliche Technik anstoßen. Der Mechanismus ist recht einfach. Fossile Emissionen erhalten einen Preis pro Tonne. Damit werden emissionsarme Lösungen wirtschaftlich attraktiver. Der EconPol Policy Report (58, Volume 10) vom August 2026 analysiert, wie Unternehmen auf dieses Signal reagieren. Er betrachtet zwei Faktoren getrennt voneinander: Zum einen die erwartete Höhe des CO2-Preises und zum anderen die Unsicherheit über seine künftige Entwicklung. Genau diese Trennung ist für die politische Debatte wichtig.

Denn ein hoher Preis kann auf dem Papier einen starken Anreiz setzen. Wenn Unternehmen zugleich einen späteren Preisverfall oder eine politische Kehrtwende erwarten, warten sie jedoch mit der Investition. Der Report beschreibt dies als „Option des Wartens“. Diese ist vor allem bei langfristigen und schwer umkehrbaren Investitionen relevant.

Was die Untersuchung zeigt

Die Autoren haben im Februar 2026 ein Experiment in die ifo Konjunkturumfrage eingebettet. 830 deutsche Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes bewerteten jeweils fünf fiktive grüne Investitionsprojekte. Insgesamt entstanden 4.150 Bewertungen. Die Projekte sollten CO2-Emissionen senken und die Energieeffizienz erhöhen.

Die erwarteten CO2-Preise lagen zwischen 50 und 200 Euro je Tonne. Die Unsicherheit reichte von null bis plus oder minus 100 Prozent. Beide Größen wurden unabhängig voneinander variiert. So konnten die Autoren ihre Wirkungen getrennt messen.

Das Ergebnis war eindeutig: Bei 50 Euro je Tonne lehnt das durchschnittliche Unternehmen das grüne Projekt eher ab. Bei 75 Euro ist die Haltung fast neutral. Ab 100 Euro wird sie positiv. Bei 175 Euro fällt die Zustimmung klar aus.

Doch Unsicherheit wirkt in die Gegenrichtung. Ohne Unsicherheit liegt die mittlere Investitionsbereitschaft deutlich im positiven Bereich. Bei einer Bandbreite von plus oder minus 75 Prozent ist sie fast neutral. Bei plus oder minus 100 Prozent wird sie negativ.

Die Größenordnung der Ergebnisse sind fast gleich. Der Anstieg des erwarteten CO2-Preises von 50 auf 200 Euro erhöht die Investitionsneigung um 1,38 Punkte. Eine Unsicherheit von null bis plus oder minus 100 Prozent senkt sie um 1,27 Punkte. Ein hoher, aber unsicherer Preis kann damit kaum mehr bewirken als ein niedriger, aber sicherer Preis.

Glaubwürdigkeit wirkt stärker als die gesamte Preisspanne

Ein weiteres Ergebnis betrifft die Verlässlichkeit der Klimapolitik. Unternehmen mit hoher wahrgenommener Glaubwürdigkeit von Klimapolitik zeigen eine um 1,35 Punkte höhere Investitionsneigung als Unternehmen mit niedriger wahrgenommener Glaubwürdigkeit. Dieser Abstand ist größer als der gesamte Preiseffekt im Experiment.

Der Zusammenhang ist allerdings nicht kausal belegt. Die Glaubwürdigkeit wurde lediglich abgefragt und nicht experimentell ermittelt. Dennoch ist das Ergebnis politisch interessant: Unternehmen, die eine Rücknahme der Klimapolitik erwarten, reagieren nur etwa halb so stark auf höhere CO2-Preise.

ETS2 und mögliche Folgen

Im Jahr 2028 soll der Emissionshandel auf Gebäude und Straßenverkehr erweitert werden (ETS2). Damit erreicht das Preissignal dann auch viele weitere Unternehmen und Haushalte. Für den Start empfehlen die Autoren Stabilisierungsmechanismen, damit es nicht zu einer „Phase des Wartens“ kommt. Als Mechanismen werden ein Preisboden, ein Preiskorridor und glaubwürdige langfristige Preispfade genannt. Solche Regeln begrenzen vor allem das Risiko niedriger künftiger Preise. Sie können Investitionen auslösen, ohne dass allein ein immer höherer Durchschnittspreis die Unsicherheit ausgleichen muss.

Für die Wärmepumpenbranche lasst sich daraus ableiten, dass für den Wärmepumpenhochlauf nicht nur die Stärke des Preissignals entscheidend ist. Ebenso wichtig ist seine Planbarkeit. Ein klarer langfristiger und verlässlicher ETS2 Pfad kann Investitionen früher auslösen und den Hochlauf von Wärmepumpen daher unterstützen.

Quelle:
EconPol_Report_58.pdf