BWP-Aktuell: China investiert weiter in Europa

Fast 80 Prozent der chinesischen Unternehmen in der EU wollen ihre Investitionen ausbauen. Europa bleibt als Industriestandort attraktiv auch in Zukunftstechnologien wie der Wärmepumpe (South China Morning Post). Für die Branche ist das eine wichtige Erkenntnis und zeigt, wer europäische Wertschöpfung sichern will, braucht nicht nur starke Hersteller, sondern auch einen starken Heimatmarkt, verlässliche Rahmenbedingungen und faire Wettbewerbsbedingungen.



Europa bleibt für chinesische Unternehmen interessant meint ein aktueller Bericht der „China Chamber of Commerce to the EU“ (CCCEU). Mehr als 60 Prozent der chinesischen Unternehmen in Europa rechnen mit weiter wachsenden Umsätzen in Europa, knapp ein Drittel sogar mit einem Umsatzplus von mehr als 10 Prozent. Es zeichnet sich ein interessantes Bild ab, weil dieselben Unternehmen zugleich über politische Unsicherheit und regulatorische Hürden klagen (CCCEU).


Der aktuelle Bericht der CCCEU stellt die Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und der EU als weiterhin eng, belastbar und von gegenseitigem Nutzen geprägt dar. Im Mittelpunkt stehen drei Entwicklungen: eine stärkere beidseitige Aufwertung der Handelsstrukturen, neue Investitionsmuster mit tieferer Einbindung chinesischer Unternehmen in europäische Innovationsökosysteme sowie ein wachsender Bedarf an regulatorischem Dialog und institutioneller Abstimmung. Auf dem EU-China-Gipfel im Juli 2025 wurde eindeutig klar, dass beide Partner ihre wirtschaftlichen Verflechtungen trotz zunehmender Spannungen festigen wollen.

Gerade für Zukunftstechnologien ist das höchst relevant. Chinesische Unternehmen sehen Europa heute nicht mehr nur als Absatzmarkt, sondern zunehmend auch als Technologie-, Marken- und Standardisierungsraum. Genau deswegen sollte sich Europa neben Kooperation auch um faire und transparente Wettbewerbsregeln kümmern und gleichzeitig belastbare Rahmenbedingungen für heimische Hersteller schaffen.


Für Deutschland und Europa ist das zunächst einmal ein wichtiges Signal. Der europäische Industriestandort ist trotz aller Debatten über Regulierung, Energiepreise und Wettbewerb weiterhin relevant. Gerade für chinesische Unternehmen aus Zukunftsbranchen wie Batterien, Elektromobilität, KI und erneuerbare Energien ist das Interesse hoch. Aber genau darin liegt auch die jetzige industriepolitische Herausforderung für Europa. Wenn Europa für internationale Investoren attraktiv ist, muss es zugleich seine eigenen industriellen Stärken gezielt absichern und weiterentwickeln. Gerade in strategischen Zukunftsmärkten wie dem der Wärmepumpenbranche.

Denn neben dem Punkt Klimaschutz geht es bei der Wärmepumpe auch um industrielle Wertschöpfung, technologische Souveränität und Versorgungssicherheit. Nach Angaben der EHPA werden bereits heute mehr als 80 Prozent der in Europa installierten Wärmepumpen in Europa montiert. Die Branche verfügt in Europa über Produktionskapazitäten für bis zu 8 Millionen Wärmepumpen pro Jahr.

Gerade deshalb ist die Warnung der Branche im BWP-Pressegespräch vom 30.03.2026 ernst zu nehmen. Die europäische Wärmepumpenindustrie hat sich auf den Markthochlauf vorbereitet und in den vergangenen Jahren rund 7 Milliarden Euro in zusätzliche Kapazitäten investiert. Gleichzeitig haben schwankende Förderbedingungen, politische Unsicherheit und schwache Absatzmärkte die Branche zuletzt stark belastet. Geschäftsführer vom BWP Martin Sabel mahnt „Wir hatten auch mal in Europa eine Solarindustrie“ und verweist darauf, dass wenn der Heimatmarkt schwächelt, geraten nicht nur die Klimaziele, sondern auch industrielle Arbeitsplätze und Investitionen unter Druck.

Gleichzeitig treibt China den eigenen Wärmepumpensektor selbst strategisch voran. In unserer BWP-Blog-Analyse zeigen wir, dass die Wärmepumpe dort inzwischen über einen eigenen Aktionsplan verfügt. Im chinesischen 15. Fünfjahresplan werden Wärmepumpen zudem als wichtige Technologie für Dekarbonisierung, Gebäude und Industrie eingeordnet. Es scheint, dass der internationale Wettbewerb in diesem Markt eher intensiver als schwächer werden könnte.


Abschottung hilft nicht, aber was wäre die richtige Konsequenz?
Europa und Deutschland müssten dafür sorgen, dass die eigene Wärmepumpenindustrie auf einem verlässlichen Heimatmarkt wachsen kann. Dazu gehören stabile Förderbedingungen, niedrigere Strompreise und klare politische Leitplanken. Deswegen hält der BWP an einer verlässlicher Förderung fest und fordert einen niedrigeren Strompreis.

Dass chinesische Unternehmen ihre Investitionen in Europa ausbauen wollen, ist ein weiteres wichtiges Zeichen. Für die Wärmepumpenbranche ist das Chance und Warnsignal zugleich. Chance, weil der Markt in der Zukunft höchstrelevant bleibt. Warnsignal, weil Europa seine eigene Industrie nur dann stark hält, wenn es die Nachfrage im Binnenmarkt stabilisiert und Zukunftstechnologien nicht durch politische Unsicherheit ausbremst. Die Wärmepumpe sollte also nicht die nächste Industrie sein, bei der Europa erst den Markt schafft – und dann andere die Wertschöpfung abschöpfen.

Quellen:
SCMP:Amid struggles at home, 80% of Chinese companies in EU plan more investment | South China Morning Post
T-Online:Neues Heizungsgesetz macht Wärmepumpen attraktiver: Kommt der Boom?
CCCEU:Flagship Reports & Trapped in a “Compliance Maze”: Chinese Firms in EU Face Dual Pressures of Politics and Soaring Costs