Europa-Aktuell: Frankreich setzt auf Wärmepumpen

Frankreich treibt die Transformation seines Energiesystems im Gebäudebereich weiter voran. Ab 2027 sollen Gasheizungen in Neubauten vollständig verboten werden – erstmals auch im Mehrfamilienbau sowie in gewerblich genutzten Gebäuden. Die Maßnahme ist Teil eines umfassenderen Plans zur Reduktion fossiler Energieträger und zur Stärkung der Elektrifizierung.


Premierminister Sébastien Lecornu stellte die Richtung klar heraus: „Solange wir vom Öl und Gas abhängig sind, zahlen wir weiter den Preis für die Kriege anderer.“ Die Energiepolitik wird damit explizit mit Fragen der Versorgungssicherheit und geopolitischen Resilienz verknüpft. Ziel der Regierung ist es, den Anteil fossiler Energien am Endenergieverbrauch deutlich zu senken und den Anteil dekarbonisierter Energie bis 2030 substanziell zu erhöhen.

Zur Umsetzung dieses Ziels sollen die staatlichen Mittel für die Elektrifizierung deutlich ausgeweitet werden. Bis 2030 ist eine Erhöhung auf rund 10 Milliarden Euro jährlich vorgesehen. Die Finanzierung erfolgt dabei nicht über zusätzliche Haushaltsmittel, sondern durch eine Umsteuerung bestehender Förderinstrumente sowie Einsparungen im Energiesystem.

Eine zentrale Rolle spielt der Gebäudesektor. Neben dem Verbot von Gasheizungen im Neubau verfolgt die Regierung das Ziel, den Einsatz fossiler Energien auch im Bestand schrittweise zu reduzieren. Dazu gehört unter anderem die langfristige Umstellung von Millionen Wohnungen auf alternative Heizsysteme.

Der Wärmepumpenmarkt bildet hierfür eine wesentliche Grundlage. Bereits heute ist die Technologie vergleichsweise stark verbreitet: Im Jahr 2024 deckten Wärmepumpen 12,7 Prozent des Heizungsverbrauchs im Gebäudebestand in Frankreich.
Zum Vergleich: In Deutschland lag dieser Anteil bei 4,4 Prozent. Gleichzeitig verfolgt die Regierung das Ziel, den jährlichen Einbau weiter deutlich zu steigern und perspektivisch eine Größenordnung von rund einer Million installierter Anlagen pro Jahr zu erreichen.


Ein weiterer relevanter Rahmenfaktor ist das Strompreisniveau. Im europäischen Vergleich liegt Frankreich deutlich unter dem Niveau besonders hochpreisiger Märkte. Während private Haushalte in Deutschland im Jahr 2025 durchschnittlich 38,35 Cent pro Kilowattstunde zahlen, liegt der Strompreis in Frankreich bei 26,64 Cent pro Kilowattstunde und damit rund 31 Prozent niedriger. Damit bestehen vergleichsweise günstigere Bedingungen für strombasierte Anwendungen im Wärmesektor.

Flankiert wird diese Entwicklung durch ein umfassendes Förderinstrument. Mit MaPrimeRénov’ stellt der Staat ein zentrales Programm zur Verfügung, das energetische Sanierungen und den Umstieg auf effiziente Heizsysteme unterstützt. Die Förderung ist nach Einkommen gestaffelt und richtet sich sowohl an selbstnutzende Eigentümer als auch an Vermieter und Wohnungseigentümergemeinschaften. Je nach Einkommensgruppe und Maßnahme können Zuschüsse von bis zu 11.000 Euro gewährt werden.

Ergänzend dazu wurde mit France Rénov’ eine staatlich organisierte Beratungsstruktur aufgebaut, die Haushalte durch den gesamten Sanierungsprozess begleitet. Vor umfangreicheren Maßnahmen ist eine Beratung verpflichtend vorgesehen. Dabei werden unter anderem Maßnahmen priorisiert, Angebote bewertet und geeignete Fachbetriebe identifiziert.

Die Umsetzung erfolgt entlang klar definierter und standardisierter Prozesse. Von der Antragstellung über die Bewilligung bis hin zur Auszahlung der Fördermittel ist der Ablauf vollständig digitalisiert. Gleichzeitig werden Anforderungen an die Qualität der Ausführung gestellt, etwa durch die Einbindung zertifizierter Fachunternehmen. Auch Aspekte wie Identitätsprüfung und Verfahrenssicherheit sind integraler Bestandteil des Systems.


In der Gesamtbetrachtung zeigt sich ein strukturierter Ansatz: Regulatorische Vorgaben, finanzielle Förderung und institutionell organisierte Beratung greifen ineinander. Ziel ist es, den Einsatz fossiler Energieträger im Wärmesektor systematisch zu reduzieren und den Übergang zu elektrifizierten, dekarbonisierten Lösungen planbar umzusetzen.

Von der EHPA kommen positive Signale. Paul Kenny, Generaldirektor der European Heat Pump Association, sagte:
„Die Franzosen haben es richtig gemacht. Wärmepumpen sind der Schlüssel zu strategischer Autonomie, europäischer Produktion und Arbeitsplätzen, zur Abschaffung fossiler Energien und zu niedrigeren Energiekosten. Auch andere Länder gehen einige dieser Schritte, aber jetzt ist es mehr denn je an der Zeit, das Tempo zu erhöhen.“

Quellen:
https://energie-fr-de.eu/de/effizienz-waerme/nachrichten/leser/hintergrundpapier-zu-waermepumpen.html


https://www.lemonde.fr/planete/article/2026/04/10/le-gouvernement-annonce-l-interdiction-des-chaudieres-a-gaz-dans-les-constructions-neuves-a-partir-de-2027_6679078_3244.html
Le service public de rénovation de l’habitat | France Rénov‘