europa-Aktuell: Accelerate_EU


Mit der neuen EU-Mitteilung (‚Communication‚) „AccelerateEU – Energy Union“ reagiert die Europäische Kommission auf steigende fossile Energiepreise und neue geopolitische Risiken. Für die Wärmepumpenindustrie gibt es einige gute Nachrichten. Wärmepumpen werden nicht nur als Klimaschutztechnologie gesehen, sondern auch als Instrument für bezahlbare Energie, geringere Importabhängigkeit und Wettbewerbsfähigkeit für Europa. Für die EHPA ist es ein positiver Schritt nach vorn und unterstreicht die zunehmende Bedeutung der Elektrifizierung und von Wärmepumpen.

Die Grundbotschaft der EU-Kommission ist klar
Europas Abhängigkeit von fossilen Energieimporten ist ein wirtschaftliches und sicherheitspolitisches Risiko. Deshalb soll AccelerateEU kurzfristige Entlastung mit langfristiger Transformation verbinden. Das bedeutet, Verbraucher zu schützen und zugleich Elektrifizierung, erneuerbare Energien in Europa und Investitionen beschleunigen. Genau in diesem Zusammenhang rückt die Wärmepumpe nun sehr deutlich in den Mittelpunkt.

Erfreulich ist, dass die Kommission die Wärmepumpe ausdrücklich als Hebel für niedrigere Energiekosten und für mehr Resilienz beschreibt. In der Mitteilung heißt es, dass der Austausch von Gas- und Ölkesseln durch Wärmepumpen den Endenergieverbrauch in Gebäuden halbieren kann. So könnte der fossile Energieverbrauch um 200 TWh gesenkt werden. Zudem soll der jährliche Wärmepumpenhochlauf in Europa von heute rund 2,4 Millionen auf 4 Millionen Geräte bis 2030 steigen.

European commission flags on poles

Noch konkreter wird die Mitteilung der Kommission dort, wo sie die Wärmepumpe mit Versorgungssicherheit verknüpft. Die Kommission verweist ausdrücklich darauf, dass Wärmepumpen auch industriepolitisch relevant sind. Das deckt sich mit der Analyse der EHPA. Mehr als zwei Drittel der in Europa installierten Wärmepumpen werden laut EHPA bereits in Europa produziert. Mit verlässlichen Marktsignalen und der damit verbundenen Planungssicherheit könnte also nicht nur der Absatz steigen, sondern auch die europäische Fertigung weiter hochlaufen.

Bereits für das zweite Quartal im Jahr kündigt die Kommission Maßnahmen zu Elektrifizierung, Heizen und Kühlen an. Dazu gehören ein Elektrifizierungsziel, Vorschläge zur Verbesserung des Strom-Gaspreis-Verhältnisses sowie Maßnahmen zur schnelleren Verbreitung elektrischer Lösungen. Nennenswert ist, dass ausdrücklich auch über ein marktbasiertes Instrument für Wärmepumpen gesprochen wird. Wie genau dieses Instrument konkret aussehen soll, bleibt offen. Europapolitisch ist das Signal jedoch wichtig und ermöglicht vielen Mitgliedsstaaten einen Wärmepumpenhochlauf. Umso besser ist es, dass die Kommission erkannt hat, dass der Wärmepumpenhochlauf nicht allein über Technik funktioniert, sondern auch über faire Preisverhältnisse sowie ein besseres Strom-Gaspreis-Verhältnis entscheidend ist.


Gleichzeitig will die Kommission im Mai 2026 einen Vorschlag zu Netzentgelten und Energiesteuern vorlegen. Ziel ist ein stärker elektrifiziertes Energiesystem mit niedrigeren Strompreisen. So soll ausdrücklich sichergestellt werden, dass Strom niedriger besteuert wird als Gas. Dieser Punkt spiegelt sich auch in den Forderungen des BWP wieder. Denn genau an dieser derzeitigen Schieflage hängt der Wärmepumpenmarkt noch. Solange Strom noch teurer als fossile Wärme ist, bleibt der Wärmepumpenhochlauf noch auf der Strecke.

Der Annex zur EU-Mitteilung (Communication) verdeutlicht praktische Beispiele von einigen Mitgliedsstaaten. Als gute Beispiele dienen Förderprogramme für Wärmepumpen, eine Mehrwertsteuer von 6 Prozent auf Wärmepumpen, sowie Zuschüsse von bis zu 100 Prozent für vulnerable Haushalte beim Kesseltausch. In den Sofortmaßnahmen für Haushalte tauchen als Beispiele gezielte steuerliche Anreize, finanzielle Unterstützung, Social Leasing und die schnelle Ersetzung fossiler Kessel ausdrücklich auf.

Auch für den Gebäudebereich und die Industrie enthält die Communication einige wichtige Hinweise. Die Kommission nennt Wärmepumpen zusammen mit PV, Speichern und effizienten Fenstern als schnell ausrollbare Technologien im Gebäudebereich. Für die Industrie verweist sie auf industrielle Wärmepumpen, die Prozesswärme bis etwa 200 °C bereitstellen oder Niedertemperaturwärme aufwerten können. Das kann laut Kommission zu einer stärkeren Nutzung von Abwärme in Industrie und Wärmenetzen führen.

Aus Sicht des BWPs erkennt die EU-Kommission die Wärmepumpe im AccelerateEU als einen wichtigen Teil einer breiteren Strategie zur Elektrifizierung von Wärme an.


Der AccelerateEU-Plan ist für die Wärmepumpenbranche also ein durchaus positives Signal. Die Kommission benennt viele der richtigen Hebel von Steuerentlastung über Förderung bis hin zu Flexibilität und Elektrifizierung.
Da es sich jedoch nur um eine Mitteilung handelt, kommt es jetzt auf eine konkrete Gesetzgebung sowie schnelle nationale Umsetzung an. Konkret bedeutet das für Deutschland, die Stromkosten zu senken, fossile Fehlanreize abzubauen und den Wärmepumpenhochlauf politisch verlässlich abzusichern. Damit könnte die nötige Planungssicherheit für die Wärmepumpenbranche gesichert werden.


Quellen:
Communication: 7fac9eea-5717-4182-a368-bd68c427ff4c_en
Annex 870a9953-098f-43a4-8081-157762a85da9_en