BWP-Großwärmepumpenkongress 2026: Fünf Exkursionen zeigen die Vielfalt großer Wärmepumpen in Berlin

Großwärmepumpen werden bereits heute vielfältig eingesetzt. Am 9. Juni hatten die Exkursionsteilnehmer des Deutschen Großwärmepumpen-Kongresses 2026 in Berlin die Gelegenheit, sich persönlich davon zu überzeugen. Rund 120 Teilnehmer machten sich bei den Exkursionen zu fünf Berliner Projekten ein Bild davon, wie Großwärmepumpen in Wärmenetzen, Quartieren, Nichtwohngebäuden und gewerblichen Anwendungen bereits heute funktionieren. 

Mehr als 350 Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Energiewirtschaft, Kommunen, Planung und Politik kamen beim Deutschen Großwärmepumpen-Kongress 2026 in Berlin und online zusammen. Im Mittelpunkt standen die Fragen, die jetzt über die Umsetzung entscheiden: Wie kommen Großwärmepumpen schneller in die Praxis? Welche Rahmenbedingungen machen Projekte wirtschaftlich tragfähig? Und wie lassen sich Förderung, Finanzierung und Betrieb verlässlich zusammendenken? 

Klimaneutraler Bürokomplex am Osthafen 

Ein Beispiel dafür ist das Dockyard Berlin am Osthafen. Der Bürokomplex verbindet eine nachhaltige Architektur mit einem Energiekonzept, das auf Großwärmepumpen, Eisspeicher, PVT-/PV-Anlagen, Geothermie und Umgebungsluft setzt. 
Wärme wird saisonal gespeichert und bei Bedarf nutzbar gemacht, im Sommer sorgt der Eisspeicher für eine Kühlung. Die Führung durch die Energiezentrale zeigte den Exkursionsteilnehmern, wie klimaneutraler Gebäudebetrieb im urbanen Raum heute schon umgesetzt werden kann. Die Exkursion wurde durch Herrn Vernickel von erQ ermöglicht. 

Flusswärme für das Berliner Fernwärmenetz 

Ins Fernwärmekraftwerk Schöneweide führte eine weitere Exkursion. Dort wurde den Exkursionsteilnehmern gezeigt, welches Potenzial in lokalen Umweltwärmequellen steckt. Insgesamt zwei Flusswasser-Großwärmepumpen mit zusammen rund 7 MW thermischer Leistung entziehen der Spree Wärme und speisen sie in das rund 170 Kilometer lange Fernwärmenetz der BTB ein. Ein besonders greifbares Praxisbeispiel für die Dekarbonisierung der Fernwärme in Berlin. 

Abwasserwärme im Großmaßstab 

Wie groß die Dimensionierung für dekarbonisierte Fernwärme inzwischen werden kann, zeigte die Exkursion zur BEW-Abwasserwärmepumpe am Standort Reuter in Berlin-Spandau. Dort entsteht derzeit ein Projekt mit 75 MW Wärmeleistung, das Ende 2026 an das Fernwärmenetz angeschlossen werden soll. Die Anlage wird über die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) unterstützt und zeigt den Weg auf, den Berlin und viele andere Städte bei der klimaneutralen Fernwärmeversorgung gehen. 

Erdwärme unter dem Schlossplatz 

Mitten in der Stadt fand eine Exkursion zum Humboldt Forum statt. Exkursionsteilnehmer konnten sich anschauen wie große innerstädtische Gebäude mit erneuerbarer Wärme und Kälte versorgt werden können. Unter dem Schlossplatz versorgen insgesamt 115 Erdwärmesonden und 91 Energiepfähle das Gebäude mit Wärme. Der Untergrund dient dabei gleichzeitig als saisonaler Speicher. Die dortige Kombination aus Geothermie, Speicher und intelligenter Gebäudetechnik war für viele Teilnehmende ein spannender Einblick und sorgte für viele interessierte Fragen. 

Abwasser als Energiequelle im Handel 

Dass Großwärmepumpen auch im gewerblichen Bereich ein passendes Modell sein können, zeigte die Exkursion zu IKEA Lichtenberg. Dort wird Abwasser aus dem kommunalen Netz zum Heizen und Kühlen genutzt. Eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe gewinnt im Winter Wärme aus dem Abwasser und führt im Sommer überschüssige Gebäudewärme dorthin zurück. Das System deckt rund 70 Prozent des Jahresenergiebedarfs und spart damit jährlich etwa 770 Tonnen CO2 ein. 


Die Exkursionen zeigten genau das, was auch der Großwärmepumpenkongress bestätigte: Die Technik ist da. Für viele Anwendungen gibt es bereits Beispiele. Das Know-how ist also auch verfügbar. Genau deswegen ist es jetzt entscheidend, dass bei neuen großen Projekten die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze stabil bleibt und es zu einem Bürokratieabbau bei Förderanträgen und Genehmigungen kommt.