LESENSWERT: CRADLE TO CRADLE ZIRKULÄRE ENERGIESYSTEME 

Die im Mai 2026 veröffentlichte Studie „Energie & Cradle to Cradle – Zirkuläre Energiesysteme mit positivem Beitrag für Strom, Wärme und Verkehr“ entstand im Rahmen des Projekts „Energie & Cradle to Cradle“ von Cradle to Cradle NGO und der E.ON Foundation, der Stiftung von E.ON. 

Cradle to Cradle (von der Wiege zur Wiege) ist ein Designkonzept, bei dem Produkte so intelligent gestaltet werden, dass all ihre Materialien nach Gebrauch vollständig als ungiftige Nährstoffe in biologische Kreisläufe zurückkehren oder als Rohstoffe endlos neu verarbeitet werden können.

Studie nimmt Strom, Verkehr und Wärme in den Fokus

Für die Studie diskutierten in drei “Roundtables” zu Strom, Wärme und Verkehr rund 60 Fachleute aus über 50 Organisationen aus der (Energie-) Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft über Potenziale und systemische Ansätze für kreislauffähige Cradle-to Cradle(C2C)-Lösungen. Die Studie betrachtet Strom, Wärme und Verkehr als zentrale Bereiche des Energiesystems und hebt insbesondere ihre stärkere Kopplung hervor. 

Die Teilnehmenden diskutierten in kleineren Gruppen zentrale Fragen der zirkulären Transformation:  

  • „Welche Material- und Designkriterien braucht eine kreislauffähige Energieinfrastruktur?  
  • Welche Geschäftsmodelle und Kooperationen ermöglichen zirkuläre Lösungen?  
  • Welche regulatorischen Rahmenbedingungen fördern oder behindern die Umsetzung?“ 

Beim “Roundtable Wärme” wurde mit Hinblick auf den Wärmesektor diskutiert: 

  • „Wie kreislauffähig ist der Wärmesektor heute, wie lassen sich Infrastrukturen und Geräte zukunftsfähig gestalten und welche Rahmenbedingungen braucht es dafür?“ 
Die Idee hinter Cradle to Cradle: Rohstoffe werden nicht vernichtet, sondern wiederverwertet – auch in der Energieversorgung.

Modulare und wiederverwendbare Systeme im Fokus

Die erste Breakout-Session „Materialität der Energieinfrastruktur“ beschäftigte sich mit der Frage, wie Wärmeerzeugung, Netze und Speicher nach C2C-Prinzipien gestaltet werden können. Im Mittelpunkt standen modulare, reparierbare und wiederverwendbare Systeme sowie langlebige mechanische und upgradefähige elektronische Komponenten. Zudem wurden eine bessere Dokumentation von Leitungsinfrastrukturen und die Kaskadennutzung biogener Rohstoffe gefordert. 

Wärme-as-a-service als Gamechanger?

Die zweite Session „Geschäftsmodelle und Kooperationen“ thematisierte die Herausforderungen zirkulärer Geschäftsmodelle im Wärmemarkt. Als wichtiger Hebel wurden Service-Modelle wie „Wärme-as-a-Service“ identifiziert, da sie Anreize für langlebige und wartungsfreundliche Systeme schaffen. Außerdem wurde die stärkere Nutzung von Abwärme durch Kooperationen zwischen Herstellern, Versorgern und Kommunen hervorgehoben. 

Noch werden kurzfristige Kosten gegenüber langfristigen Vorteilen priorisiert

In der dritten Session „Regulatorische Rahmenbedingungen“ standen regulatorische Hürden im Fokus. Kritisiert wurde insbesondere das Kostenneutralitätsgebot, das kurzfristige Kosten gegenüber langfristigen Vorteilen zirkulärer Systeme bevorzugt. Daher sprachen sich die Teilnehmenden für eine Betrachtung der Gesamtkosten über den Lebenszyklus sowie für verbindliche C2C-Kriterien in öffentlichen Ausschreibungen aus. 

Die Wärmepumpe spielt eine zentrale Rolle bei der Dekarbonisierung des Gebäudesektors. Gleichzeitig wächst mit ihrer Verbreitung auch die Verantwortung, Materialien und Ressourcen möglichst effizient einzusetzen und ihre Nutzungsdauer zu maximieren. Das Beispiel „Wärme-as-a-Service“ zeigt, wie dies gelingen kann: Werden regulatorische Vorgaben auf Lebenszykluskosten ausgerichtet und zirkuläre Geschäftsmodelle gefördert, entlastet das die Endkunden von hohen Anfangsinvestitionen und macht langlebige Lösungen wirtschaftlich attraktiv. 

Die Erkenntnisse des Roundtables zeigen, dass die Wärmewende nicht nur energie-, sondern auch ressourcenseitig gedacht werden muss. Cradle to Cradle liefert hierfür wertvolle Impulse und eröffnet neue Perspektiven für die Branche. 

Hier geht es zur vollständigen Studie der Eon Foundation: Energie_und_C2C.pdf