Typischerweise speichert man Strom mithilfe von Batterien oder Akkus. Doch können große Batteriespeicher auch eine ganze Stadt mit Strom versorgen und ein klassisches Kraftwerk ersetzen? David Globig beschäftigt sich für den Bayerischen Rundfunk seit Jahren mit Batteriespeichern und geht dieser Frage im Podcast „IQ – Wissenschaft und Forschung“ auf den Grund.
Batteriespeicher waren vor zehn Jahren hauptsächlich dafür gedacht, kurzfristige Netzschwankungen auszugleichen – mit Leistungen bis zu 5 Megawatt. Neue Batteriespeicheranlagen, wie sie aktuell zum Beispiel in der Schweiz gebaut werden, erreichen bis zu 1,2 Gigawatt elektrische Leistung. Das entspricht dem, was ein großes Kernkraftwerk bereitstellt. Damit könnten in der Theorie fünf Stunden lang eine Million Haushalte mit Strom versorgt werden.
Batteriespeicher- Boom: Deutschland ist Vorreiter
In der EU waren Ende 2025 Batteriespeicher mit einer Gesamtleistung von circa 40 Gigawatt installiert. Das entspricht der Leistung von 30 großen Kernkraftwerken. Innerhalb von nur vier Jahren hat sich in Deutschland die Kapazität der Batteriespeicher sogar verfünffacht. Das ist auch notwendig, um Stromschwankungen im Netz auszugleichen und Strom in Überschussphasen aufzunehmen und nutzbar zu machen, wenn er gebraucht wird. „Der Ausbau der Erneuerbaren und der Ausbau der Speicherkapazitäten müssen parallel laufen“, betont Globig. Nur so bleibt das System langfristig stabil und erneuerbare Energie geht nicht durch die netzdienliche Abschaltung von EE-Anlagen „verloren“.

Vom Keller zum Kraftwerk: Der Siegeszug der Batteriespeicher
Anfangs waren vor allem kleine Batteriespeicher für den Privatgebrauch üblich, zum Beispiel für Eigentümer von PV-Anlagen. Inzwischen gibt es jedoch mehr mittlere und große Anlagen. Diese können Netzschwankungen ausgleichen und so die Aufgaben von fossilen Kraftwerken übernehmen. Die meisten Batteriespeicher sind nach wie vor Lithium-Ionen-Akkus – aber der Markt ist laut Experten „technologieblind“. Soll heißen: Der Batterietyp spielt in der Vergabe keine Rolle, es geht lediglich um die Strommenge, die gespeichert werden kann. So kommen auch neue Technologien auf den Markt.
Redox-Flow-Technologie
Eine dieser neuen Technologien ist die sogenannte „Redox-Flow-Technologie“. Zwei flüssige Elektrolyte werden in diesem Batteriespeicher durch eine Zelle mit einer speziellen Membran gepumpt. Dabei werden die flüssigen Elektrolyte aufgeladen. Die Flüssigkeiten können in großen Tanks gelagert werden und bei Bedarf in die Zellen zurückgepumpt werden, um dann Strom zu liefern, wenn er gebraucht wird. Die Vorteile: Die Flüssigkeiten entladen sich in den Tanks nicht und da sie überwiegend aus Wasser bestehen, sind sie im Gegensatz zu Lithium-Ionen-Akkus nicht brennbar. Ein Nachteil: Die Redox-Flow-Anlagen brauchen durch die Tanks deutlich mehr Platz als die noch üblicheren Lithium-Ionen-Speicher.
Können Batteriespeicher Kraftwerke komplett ersetzen?
Ein Komplettersatz für ein konventionelles Kraftwerk ist ein Batteriespeicher aktuell noch nicht. Auch wenn die elektrische Leistung großer Anlagen der eines Kraftwerks entspricht, kann diese Leistung nur über einen kurzen Zeitraum bereitgestellt werden – üblicherweise für ein paar Stunden. Der eigentliche Ersatz für fossile Kraftwerke sind die Erneuerbaren Energien, betont Globig. Deren Anteil am Stromnetz kann durch die Einbindung von Batteriespeichern weiter gesteigert werden.

Stromverbrauch flexibilisieren
Eine entscheidende Stellschraube ist dabei auch, den Stromverbrauch zu flexibilisieren. Kühlhäuser, Wärmepumpen und E-Auto-Ladestationen lassen sich intelligent steuern, sodass Stromerzeugung und Strombedarf möglichst gut zusammenpassen. Außerdem braucht es flankierend politische und gesetzliche Rahmenbedingungen, wie konkrete Ausbauziele für Batteriespeicher. Mithilfe der Speicher lassen sich dann wiederum Erneuerbare so stark ausbauen und Strompreise so gut steuern, dass die Betriebskosten des europäischen Stromsystems letztlich halbiert werden könnten, so Experten.
Als mögliches Vorbild für die Integration von Batteriespeichern könnte Australien dienen. Welches Marktmodell hier geschaffen wurde, erfahrt ihr direkt in der Podcast-Folge!

