Eine Analyse von Techem aus dem Jahr 2025 zeigt: Nach einem Heizkörpertausch sind rund 90 Prozent der Mehrfamilienhäuser in Deutschland für den Einsatz von Wärmepumpen geeignet. Bereits etwa die Hälfte des konventionell beheizten Gebäudebestands erfüllt ohne weitere Maßnahmen die Voraussetzungen für einen effizienten Wärmepumpenbetrieb. Grundlage der Analyse sind Daten von mehr als 200.000 Bestandsgebäuden.

Dem großen technischen Potenzial steht bislang eine geringe Marktdurchdringung gegenüber: 2024 wurden nur rund 3,3 % der etwa 3,3 Millionen Mehrfamilien-Bestandsgebäude mit Wärmepumpen beheizt. Zu diesem Ergebnis kommt der Praxisleitfaden für Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern, der im Jahr 2024 von der Deutschen Energie-Agentur (dena) herausgegeben wurde. Der Leitfaden entstand in Kooperation mit dem Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e.V., dem Fraunhofer ISE und dem Verband GdW – Die Wohnungswirtschaft. Anhand technischer Grundlagen und konkreter Praxisbeispiele beleuchtet der Leitfaden das Potenzial von Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern.
Großes Potenzial für die Wärmewende
Zunächst betrachtet der Leitfaden den Gebäudebestand: Knapp 20 Prozent der Mehrfamilienhäuser befinden sich demnach in den Energieeffizienzklassen A und B, mehr als die Hälfte in den Klassen C, D und E. Daher sind viele dieser Gebäude bereits niedertemperaturfähig. Darüber hinaus können gezielte Maßnahmen die erforderliche Vorlauftemperatur senken: einzelne zu kleine Heizkörper austauschen, einen hydraulischen Abgleich durchführen, die Heizkurve optimieren und bei Bedarf Dach, Fassade oder Fenster energetisch sanieren.
Verschiedene Lösungen stehen zur Verfügung
darauf aufbauend kommen abhängig von Gebäudegröße, Standort und Sanierungsstand unterschiedliche Wärmepumpen-Konzepte infrage:
- Wohnungswärmepumpen als Ersatz für Gasetagenheizung: Insbesondere in Gründerzeit- und Altbauten mit dezentralen Heizsystemen können kompakte Wärmepumpen direkt in den einzelnen Wohnungen installiert werden. Die bestehende Versorgungsstruktur bleibt dabei weitgehend erhalten, während fossile Energieträger ersetzt werden.
- Zentrale Wärmepumpensysteme für das gesamte Gebäude: Größere Luft-Wasser-, Sole-Wasser- oder Grundwasser-Wärmepumpen können die Wärmeversorgung eines kompletten Mehrfamilienhauses übernehmen. Die Technik muss nicht zwingend im Gebäude stehen. Ausgelagerte Technikzentralen oder Containerlösungen können im Hof-, Stellplatz- oder Quartiersbereich untergebracht werden.
- Hybridlösungen: Wärmepumpen können zunächst gemeinsam mit fossilen Heizkesseln betrieben werden. Solche Hybridkonzepte eignen sich insbesondere für Gebäude, die schrittweise saniert werden. Die Wärmepumpe deckt dabei einen möglichst großen Teil des Wärmebedarfs, der Kessel unterstützt bei hohen Lasten.
- Quartierslösungen für dicht bebaute Standorte: Bei begrenzten Aufstellflächen können mehrere Gebäude über ein gemeinsames Wärmenetz versorgt werden. Als Wärmequellen kommen unter anderem Umweltwärme, Abwasserwärme und industrielle Abwärme infrage.
Erfolgreiche Praxisbeispiele können für Projektplaner, Immobilienunternehmen und Wohnungseigentümergemeinschaften zudem als Orientierungshilfe dienen, welche Konzepte in Frage kommen. Referenzobjekte sind sowohl im Praxisleitfaden als auch online in der BWP-Datenbank zu finden.

