Europa Aktuell: Elektrifizierung senkt Energiebedarf und Importabhängigkeit

Das europäische Energiesystem steht unter dreifachen Druck. Europa muss Energie bezahlbarer machen, seine Versorgung absichern und zugleich die Dekarbonisierung vorantreiben. Der vom World Economic Forum (WEF) veröffentlichte Beitrag „Why electrification is Europe’s most strategic investment“ sieht in der direkten Elektrifizierung einen gemeinsamen Lösungsweg für diese drei Aufgaben.

Der derzeitige Ausgangspunkt ist Europas Abhängigkeit von fossilen Energieimporten. Diese decken laut WEF-Beitrag rund 40 Prozent des Primärenergiebedarfs. Geopolitische Krisen und schwankende Weltmarktpreise können einen großen Einfluss haben. Deswegen kommen aus Brüssel immer mehr Zeichen auf ein stärker elektrifiziertes Energiesystem zu setzen. Dieses soll auf Basis heimischer erneuerbarer Energien aufgebaut werden und könnte so diese Abhängigkeit deutlich reduzieren.

Weniger Energieeinsatz trotz wachsender Nachfrage

Elektrifizierung bedeutet nicht einfach nur fossile Energie durch Strom zu ersetzen. Es geht auch um Effizienzgewinne. Viele elektrische Anwendungen benötigen häufig wesentlich weniger Energie als Technologien, die auf Verbrennung beruhen.

Im dem von Copenhagen Infrastructure Partners untersuchten Szenario „Competitive & Resilient“ könnte der europäische Endenergieverbrauch bis 2050 um mehr als ein Drittel sinken. Gleichzeitig würde der Stromanteil am Endenergieverbrauch von derzeit 21 auf 55 Prozent steigen.

Auch im Gebäudesektor können noch gewaltige Effizienzgewinne ermöglicht werden. Wärmepumpen nutzen Umweltwärme und elektrische Energie und können somit effiziente Wärme bereitstellen.

Niedrigere Preise und weniger Importe sind möglich

Die Analyse beschreibt erhebliche volkswirtschaftliche Chancen wenn fossilen Energieimporte Europas um rund 80 Prozent sinken. Die externe Energieabhängigkeit würde dem Transformationsszenarios des Berichts zufolge auf etwa 10 Prozent zurückgehen. Auf der einen Seite ist Elektrifizierung ein Klimaschutzinstrument, aber genauso auch eine Investition in Energiesouveränität und industrielle Wettbewerbsfähigkeit von Europa.

Engpass Netze

Der Bericht identifiziert die Energieinfrastruktur als entscheidenden Engpass. Bis 2050 sind so rund 5,2 Billionen Euro an Investitionen in das europäische Energiesystem notwendig, davon etwa 2,9 Billionen Euro für die Netze.

Ein verzögerter Netzausbau hätte direkte Folgen für die Verbraucher. Laut Prognose würden bei zwei Jahren Verzögerung, die Kosten um 8 bis 10 Euro je Megawattstunde steigen.

Europas Strategie korreliert mit der deutschen Wärmewende

Gerade im deutschen Wärmemarkt sind die notwendigen Technologien für direkte Elektrifizierung verfügbar. Die Wärmepumpe gibt es für fast alle Anwendungen. Es kommt jetzt also darauf an, erneuerbare Stromerzeugung und Netze schneller auszubauen. Das bestehende Ungleichgewicht zwischen Strom und Gas sollte auch korrigiert werden. Das bedeutet konkret den Strompreis bei Steuern, Umlagen und Netzentgelten zu entlasten.


Quellen:
World Economic Forum: Why electrification is Europe’s most strategic investment | World Economic Forum
Copenhagen Infrastructure Partners: Charging Ahead: cip-2050-rapport-2026.pdf