China setzt mit dem 15. Fünfjahresplan (FJP) die Leitplanken für 2026 bis 2030. Der von uns übersetzte Auszug zeigt dabei deutlich, dass in China Klimapolitik nicht als Einzelthema behandelt wird, sondern auch als Umbauprogramm für Wirtschaft, Infrastruktur und Regulierung. Wir haben uns den 15. Fünf-Jahres-Plan angeschaut und bereits im ersten Teil, Themen wie CO2-Ausstoß, Wärme für Gebäude, Heizsysteme und Elektrifizierung besprochen.
Dieser Teil setzt sich mit den Themen der Effizienzmechanismen, Zertifizierung und den Aspekt von internationalen Standards auseinander. Zudem ordnen wir den 15. FJP in den globalen und europäischen Kontext ein.
Wettbewerb durch messbare Performances
Neben Infrastruktur und Energiepolitik setzt der Plan auch stark auf Effizienzmechanismen. Die kommunistische Partei fordert, „Energieeffizienzkennzeichnungen und Leader-Programme konsequent umzusetzen“ und Mechanismen zur Diagnose der Energieeffizienz zu verbessern. Das kann auf eine klare bewusste Marktwirkung hindeuten. Kennzeichnungen schaffen Vergleichbarkeit und Leader-Programme Benchmarks und fördern gleichzeitig jene Anbieter, die ihre Performance nachweisbar liefern.
Für Wärmepumpenhersteller in China könnte es bedeuten, dass sich der Wettbewerb perspektivisch stärker in Richtung dokumentierter Effizienz, Qualitätsstandards, Systemintegration und Nachweisführung verschiebt. Im Umkehrschluss könnte sich die zukünftige Industrie weiterentwickeln und weniger allein auf den Anschaffungspreis für Endkunden ausgerichtet sein.

Besonders spannend sind die Passagen im 15. FJP zu Produktstandards. Der Plan will „Regeln und Standards für die Bilanzierung des Kohlenstoff-Fußabdrucks von Produkten“ entwickeln, „Kohlenstoffemissionsgrenzwerte für Schlüsselprodukte“ veröffentlichen und ein „System zur Kennzeichnung und Zertifizierung von Produkten hinsichtlich ihres Kohlenstoffausstoßes“ einrichten. Ergänzend soll ein Standardsystem für „grün/kohlenstoffarm“ ausgebaut werden, inklusive der „gegenseitigen Anerkennung internationaler Regeln/Standards“.
Im 15. FJP steht wenig explizit zu Exportpolitik. Jedoch ist genau diese Kombination aus Grenzwerten, Labeln und internationaler Anerkennung faktisch bereits ein wichtiger Export- und Marktzugangshebel. Gerade im europäischen Markt gibt es gewisse Nachweisregime, in denen CO2-Daten, Zertifikate und standardkonforme Dokumentation eine wachsende Rolle spielen.
Wer diese Nachweise früh und systematisch aufsetzt, kann Produkte leichter in solche Märkte integrieren.
Globaler Kontext Klimapolitik, Standards und Industriepfade
Der Plan verortet China ausdrücklich im Kontext der internationalen Klimapolitik ein. Man wolle sich „aktiv an globaler Klimapolitik beteiligen und diese anführen“ und internationale Zusammenarbeit vertiefen. Zusammen mit dem Fokus auf Standards und gegenseitige Anerkennung entsteht eine neue Ausrichtung Chinas. Das Land positioniert sich so, dass es bei Regeln, Normen und Nachweissystemen mitgestalten kann.
Für Europa entscheidend
Für Europa ist der 15. Fünfjahresplan vor allem ein Signal, dass China Wärme- und Gebäudetransformation als strategisches Feld ernsthaft organisiert.
Wichtige Elemente wie Elektrifizierung, Abwärme, Sanierung, Effizienzregeln und Produktstandards sind explizit genannt worden. Das kann den Wettbewerbsdruck erhöhen und das nicht nur bei Preisen. Es geht sondern zunehmend auch über die Fähigkeit, Effizienz, Qualität und CO2-Fußabdrücke belastbar nachzuweisen und mit internationalen Standards kompatibel zu machen. Außerdem will China laut Aktionsplan auch aktiv auf internationaler Ebene diese Standards mitgestalten.
Im Blick auf Wärmepumpen als System, hat Europa immer noch einige Stärken. Gerade in Bereichen wie der Systemauslegung im Bestand, in Installation (im Handwerk), Qualitätssicherung, Service und der Integration in Netze und Speicher sind die Vorteile noch beständig. Diese Systemkompetenz wird für Europa also umso wichtiger, je stärker sich China in der Zukunft über höhere Effizienz, Betriebssicherheit und Nachweisfähigkeit bei ihren Produkten definiert.

Die Konsequenz
Europa braucht also einen stabilen, investitionssicheren und planbaren Rahmen für eine beständige Wärmepumpennachfrage. Das ist wichtig, damit Industrie und Handwerk Kapazitäten aufbauen können und diese nicht verlieren.
Des weiteren sollte die Skalierung von Industrie-Wärmepumpen und Abwärmeprojekten in Europa deutlich stärker priorisiert werden.
Schlussendlich wird das Thema Nachweisfähigkeit zu einem Wettbewerbsfaktor werden. Es zeigt sich, dass Effizienzlabels, Qualitätsstandards, Produkt-CO2-Werte und Zertifizierung sind nicht nur Verwaltungsthemen sind, sondern auch Marktzugangsvoraussetzungen.
China sieht den Umbau von Wärme und Gebäuden in einem System aus Elektrifizierung, Effizienzsteuerung und Produktstandards. Genau diese Punkte hatte die kommunistische Partei Chinas bereit in ihrem „Aktionsplan zur Förderung einer hochwertigen Entwicklung in der Wärmepumpenindustrie“ genau so kommuniziert. Für die Wärmepumpenbranche in Europa ist es wichtig, eigene Stärken in Systemkompetenz und Innovationskraft, Handwerk zu festigen und diesen mit einem verlässlichen politischen Rahmen zu verbinden.
Hier geht es zu unserer Analyse des Aktionsplan zur Förderung einer hochwertigen Entwicklung in der Wärmepumpenbranche: Chinas Wärmepumpenhochlauf (Teil 1) – BWP-Blog
Hier geht es zum Teil 1 unserer Einordnung des 15. Fünf-Jahre-Plan Chinas:
Hier geht es zu unserer KI-basierten Übersetzung der von uns gewählten relevanten Teile des 15. Fünf-Jahre-Plan von China:

