Senken erneuerbare Energien den Strompreis?

Machen erneuerbare Energien Strom billiger oder teurer? Jan Rosenow, Professor für Energie- und Klimapolitik an der University of Oxford, geht dieser Frage in einem aktuellen Beitrag nach. Seine Antwort fällt nicht eindeutig in die eine oder andere Richtung aus. Für ihn kommt es darauf an, welcher Preis betrachtet wird und wie der jeweilige Strommarkt aufgebaut ist. Rosenow leitet an der Universität Oxford das Energy Programme am Environmental Change Institute.


Wind- und Solarstrom können an der Strombörse zu sinkenden Preisen führen, weil sie geringere Produktionskosten aufweisen als Stromerzeugung mit molekülbasierten, in der Regel fossilen Brennstoffen. Wenn viel Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wird, kommen teurere Kraftwerke seltener zum Einsatz. Besonders relevant ist das bei Gaskraftwerken, die in vielen Ländern häufig den Referenz-Strompreis setzen.


Gas bestimmt häufig den Strompreis

Um auf die Frage, ob Erneuerbare den Strompreis senken, eine Antwort zu finden, analysiert Jan Rosenow die Unterschiede zwischen den einzelnen europäischen Märkten. Dort, wo Gaskraftwerke häufig den Preis setzen, sind die Day-Ahead Preise tendenziell höher. Beispiele sind hier Polen, Ungarn und Irland. Längerfristig hohe Day-Ahead Preise führen tendenziell auch zu höheren Strompreisen für die Verbraucherinnen und Verbraucher mit in der Regel monats- und jahresbasisierten Tarifen. Für das Jahr 2025 nennt Rosenow eine starke Korrelation zwischen den Stunden, in denen Gas den Preis setzt, und dem durchschnittlichen Strompreis. In Italien und Großbritannien setzte Gas demnach in 75 bis 80 Prozent der Stunden den Preis, bei durchschnittlichen Strompreisen von 90 bis 115 Euro pro Megawattstunde. In Finnland lag der Anteil bei rund 15 Prozent der Stunden, der durchschnittliche Strompreis bei 42 Euro pro Megawattstunde.

Das Beispiel Spanien zeigt, wie sich diese Abhängigkeit verändern kann. Deshalb ist Spanien, so Rosenow, auch eines der günstigeren Strommärkte in Europa. Der Ausbau von Wind- und Solarstrom hat dazu beigetragen, dass Gaskraftwerke seltener den Strompreis bestimmen. Damit sinkt auch der Einfluss fossiler Brennstoffpreise auf den Strommarkt.


Börsenpreis ist nicht gleich Stromrechnung

Niedrigere Großhandelspreise kommen jedoch nicht automatisch vollständig bei Haushalten und Unternehmen an. Die Stromrechnung besteht nicht nur aus dem Börsenstrompreis. Netzentgelte, Steuern, Abgaben und weitere Preisbestandteile spielen ebenfalls eine Rolle.

Hinzu kommt: Ein Stromsystem mit hohen Anteilen erneuerbarer Energien braucht Netze, Speicher, flexible Verbraucher und passende Marktregeln. Wind- und Solarstrom können den Preis an der Börse drücken. Damit daraus niedrigere Endkundenpreise werden, müssen die Rahmenbedingungen stimmen.


Strompreise sind zentral für den Wärmepumpenmarkt

Für Wärmepumpen ist diese Debatte besonders wichtig. Sie nutzen Strom sehr effizient und können Gebäude mit deutlich weniger Endenergie beheizen als fossile Heizungen. Entscheidend bleibt aber der Abstand zwischen Strom- und Gaspreis. Ist Strom im Verhältnis zu Gas zu teuer, wird der Umstieg auf eine Wärmepumpe aus Verbrauchersicht erschwert.

Der Blick auf die Strommärkte zeigt deshalb: Der Ausbau erneuerbarer Energien ist eine Voraussetzung für günstigeren, klimafreundlichen Strom. Er reicht allein aber nicht aus. Günstiger erneuerbarer Strom muss auch bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommen.


Weitere Informationen zum Thema Strompreis finden Sie auch auf unserer Website.

Quelle:

Jan Rosenow, Do renewables make electricity cheaper or more expensive? The honest answer is: it depends on what you measure, and where you look, 17. Mai 2026, online verfügbar unter: [Do renewables make electricity cheaper or more expensive?], abgerufen am 20. Mai 2026.