Die EU Sustainable Energy Week zeigt: Elektrifizierung, Energieeffizienz und der Ausstieg aus fossilen Importabhängigkeiten werden in Brüssel zunehmend zusammen gedacht. Wärmepumpen erscheinen dabei nicht als Einzeltechnologie, sondern als Teil eines größeren Systems aus Netzen, Gebäudedaten, lokalen Wärmeplänen, Industriepolitik und Verbrauchervertrauen. Für den Markthochlauf bleibt der Strom-Gas-Preisabstand ein zentrales Nadelöhr. Gleichzeitig gewinnt die Frage an Bedeutung, wie europäische Produktion unter fairen Wettbewerbsbedingungen gestärkt werden kann, ohne Tempo, Bezahlbarkeit und offene Märkte zu gefährden.

Die diesjährige EU Sustainable Energy Week (EUSEW) vom 08.06. – 11.06.2026 in Brüssel markierte einen Wendepunkt in der europäischen Energiepolitik. Standen früher vor allem Klimaziele und der reine Ausbau im Vordergrund, hat sich die Debatte nun massiv in Richtung industrieller Souveränität, Energiesicherheit und Wettbewerbsfähigkeit verschoben. Für die Wärmepumpen-Branche bedeutet es: Die Wärmepumpe ist nicht nicht mehr nur ein Instrument des Klimaschutzes, sondern eine der sechs strategischen Säulen des neuen Industrial Accelerator Act (IAA).
Stoff für Gespräche: Die „Made in Europe“-Diskussion
Im Zentrum der Diskussionen stand die Frage, wie Europa den Rollout von Clean-Tech beschleunigen kann, ohne neue Abhängigkeiten, insbesondere von China, zu schaffen. Der IAA ergänzt den Net Zero Industry Act (NZIA) um konkrete „Made in Europe“-Anforderungen. Jacek Truszczynski (DG GROW) betonte, dass es nicht mehr ausreicht, Technologien nur zu installieren und meinte: „wir müssen sie hier produzieren“. Bei Wärmepumpen sei der Vorsprung noch bei Innovation, Qualität und dem gesamten „Ökosystem“ (von der Installation bis zur Wartung) ein stärker Wettbewerbsvorteil.
Aber es geht dabei geht es auch um Sicherheit. Ab November 2024 wurden beispielsweise chinesische Wechselrichter in EU-geförderten Projekten aufgrund von Cybersecurity-Bedenken verboten. Es gelte zu prüfen in welchen anderen Bereichen ähnliche Maßnahmen nötig sind.
Europäische Hersteller investieren derzeit in Produktion, Innovation und Service. Gleichzeitig stehen sie aber auch im globalen Wettbewerb mit Märkten, in denen Produktionskosten, Subventionen und industrielle Rahmenbedingungen teils deutlich anders ausfallen. Eine europäische Wärmepumpenstrategie sollte daher Nachfragepolitik, Strompreisreform, Fachkräfteaufbau, Produktqualität und Industriepolitik zusammendenken.
Die Stärke Europas liegt nicht nur in der Geräteproduktion. Sie liegt auch in Systemintegration, Handwerk, Planung, Service, Digitalisierung und hohen Qualitätsstandards. Genau diese Stärken sollten im weiteren Hochlauf genutzt und politisch abgesichert werden.

Der Strompreis als entscheidender Hebel
Ein großes Thema auf dem von der EHPA organisierten Panel zu Marktdynamik und Kosten von Wärmepumpen war das Verhältnis von Strom- zu Gaspreisen. Experten wie Jonathan Volt (Joint Research Center der Kommission) machten deutlich, dass ein Preisverhältnis von maximal 2,0 notwendig ist, um die Wärmepumpe zur wirtschaftlich attraktivsten Option für alle Haushalte zu machen. Als Erfolgsbeispiel gilt die Niederlande. Hier wurde durch eine gezielte Besteuerung von Gas und die Nutzung dieser Einnahmen zur Senkung des Strompreises ein Verhältnis von etwa 1,5 erreicht. In Deutschland zeichnet sich ein anderes Bild ab. Trotz Fortschritten durch die Verlagerung von Umlagen in den Bundeshaushalt bleiben die Netzentgelte ein Risiko. Es werden Investitionen von rund 500 Milliarden Euro in die deutschen Netze benötigt. Die Kommission arbeitet hier an einem Rechtsvorschlag zu Netztarifen, um die Kosten für Endverbraucher stabil zu halten.

Energieeffizienz und Wärmepumpen gehören zusammen
Die EUSEW 2026 machte ebenfalls deutlich, dass Energieeffizienz nicht in den Hintergrund treten darf. Gebäude, die weniger Energie benötigen, entlasten Haushalte und Netze. Gleichzeitig verbessert ein effizienter Gebäudebestand die Einsatzbedingungen für Wärmepumpen. Dabei geht es nicht um ein Entweder-oder zwischen Sanierung und Heizungstausch. Vielmehr müssen Maßnahmen sinnvoll kombiniert werden. Die Wärmepumpe ist in diesem Zusammenspiel ein zentrales Instrument, weil sie erneuerbaren Strom effizient in Wärme umwandelt.
Regulatorischer Rückenwind aus Brüssel: EED, EPBD und ETS2
Der gesetzliche Rahmen wird durch die „Fit for 55“-Gesetzgebung immer enger gestrickt. Die Energieeffizienz-Richtlinie (EED) verpflichtet Kommunen über 45.000 Einwohner dazu, investierbare lokale Wärmepläne zu erstellen. Die Gebäuderichtlinie (EPBD) setzt das Ziel eines emissionsfreien Gebäudebestands bis 2050 und fordert den schrittweisen Ausstieg aus fossilen Kesseln. Der ETS2 (Emissionshandel für Gebäude) wird als zentrales Instrument gesehen, um die Kosten fossiler Brennstoffe abzubilden, wobei Einnahmen über den Klima-Sozialfonds zurückfließen sollen, um unter anderem Energiearmut zu vermeiden. In den nächsten Wochen sollte dann auch am 15.07.2026, der Electrification Action Plan veröffentlicht werden. In dem Zusammenhang sollten Elektrifizierungsziele genannt werden gleichzeitig Wärmepumpenverbreitung priorisiert werden.
Fazit Zur EUSEW 2026
Der politische Wille für eine umfassende Elektrifizierung in Europa steht. In der Zukunft kann es nicht nur CO2 sparen, sondern auch die Abhängigkeit von fossilen Brennstoff-Importen senken. Deswegen braucht es faire Energiepreise im Bereich Strom, einen schnelleren Netzausbau, koordinierte kommunale Planung, weniger bürokratische Hürden und eine starke industrielle Basis für die Wärmepumpen-Branche.

