Deutschlands Flusswärmepotentzial: Neues Großwärmepumpenprojekt in Dresden 

SachsenEnergie plant in Dresden eines der größten Flusswasser-Wärmepumpenprojekte Deutschlands. Die Anlage soll künftig Wärme aus der Elbe gewinnen und so bis zu 45.000 Haushalte versorgen. Eine Studie der TU Braunschweig und des Borderstep Instituts zeigen, wie groß die Potenziale bei Flusswärme noch sind. 

Die in Dresden geplante Flusswasserwärmepumpe soll auf eine thermische Leistung von 50 MW ausgelegt werden. Mit einer jährlichen Wärmeerzeugung von rund 300.000 MWh könnte sie etwa 16 Prozent des Dresdner Fernwärmebedarfs decken. 

Die Planungen laufen bereits seit 2023. Bis 2028 soll die Genehmigungs- und Planungsphase abgeschlossen sein, die voraussichtliche Inbetriebnahme erfolgt dann im Jahr 2031. Das vorgesehene Investitionsvolumen liegt bei circa 92 Millionen Euro. 

Wie SachsenEnergie Wärme aus Flusswasser gewinnt 

Für die Wärmepumpe sollen rund 2,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde aus der Elbe entnommen werden. Das Wasser wird anschließend um etwa drei Grad Celsius abgekühlt und danach wieder in die Elbe zurückgeführt. Nach Angaben von SachsenEnergie entspricht dies lediglich rund einem Prozent des Flussdurchflusses.

Studie sieht großes Potenzial für Flusswärme 

Dass Dresden kein Einzelfall bleiben dürfte, zeigt ein Leitfaden des Borderstep Instituts und der TU Braunschweig. Die Autoren sehen in Flüssen und Bächen eine leistungsstarke und bisher häufig unterschätzte Wärmequelle für die kommunale Wärmeversorgung. Deutschland verfügt über mehr als 400.000 Kilometer Fließgewässer. Das entspricht einer Dichte von mehr als 1.100 Metern pro Quadratkilometer. Da nahezu jede Siedlung historisch bedingt an Wasserwegen errichtet wurde, fließt diese Energiequelle vielerorts direkt vor der Haustür. 

Der Leitfaden verdeutlicht die Dimensionen: Bereits eine moderate Abkühlung der Gewässer um nur zwei Grad Celsius könnte theoretisch bei einer Zweimalentnahme bis zu 1.400 TWh Nutzwärme pro Jahr bereitstellen. Damit entspräche das etwa dem Vierfachen des Erdgasverbrauchs privater Haushalte sowie des Gewerbe-, Handels- und Dienstleistungssektors. Diese hatten im Jahr 2022 zusammen circa 352 TWh Erdgas verbraucht. Zudem steht Flusswärme im Vergleich zu Holz oder Wasserstoff in deutlich größeren Mengen zur Verfügung.

Besonders effizient lässt sich dieses Potenzial durch die Synergie mit bestehenden Infrastrukturen heben. Allein 271 Wasserkraftanlagen in 80 deutschen Großstädten könnten durch die thermische Nutzung ihres bereits genehmigten Wasserdurchflusses fast die Hälfte des gesamten Raumwärmebedarfs dieser Städte decken. 

Der ökologische Nutzen von Flusswärmepumpen 

Deutsche Flüsse haben sich seit 1950 klimabedingt bereits um 3 bis 4 °C erwärmt. Deshalb gilt der Wärmeentzug als sinnvolle Klimaanpassung. Er verbessert den Sauerstoffgehalt und schützt die Biozönose.

Abbildung: Mittlerer Durchfluss und Durchflussvariabilität der Fließgewässer in Deutschland
Quelle: Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) / 2025

Die Studie zeigt zudem, dass Kommunen das Potenzial ihrer Fließgewässer ohne großen Aufwand grob bewerten können. Mithilfe öffentlich zugänglicher Pegel- und Abflussdaten lässt sich bereits in einer frühen Planungsphase abschätzen, ob sich ein Standort für eine Flusswasserwärmepumpe eignet. 

Insgesamt zeichnet die Studie das Bild einer bislang weitgehend ungenutzten Wärmequelle mit großem Potenzial für die kommunale Wärmeversorgung. Mit der geplanten Großwärmepumpe an der Elbe könnte Dresden nun zeigen, wie sich dieses Potenzial in der Praxis erschließen lässt und damit zum Vorbild für weitere Städte werden. 


Hier geht es zur Studie:  

„Eine Einführung in die Wärmegewinnung aus Flusswasser“ des Borderstep Instituts, der TU Braunschweig und des EFZN.  

Quellen: 

Der Standard: „In Dresden wird eine Riesen-Wärmepumpe für 45.000 Haushalte gebaut“ 

SachsenEnergie: „Wie die Elbe beim Heizen hilft – Schlüsselprojekt für die Dekarbonisierung der Fernwärme in Dresden“