China hat einen ambitionierten Aktionsplan für seine Wärmepumpen-Industrie vorgestellt und festigt seine Vorhaben nun mit seinem 15. Fünf-Jahres-Plan. Das Ziel: China will mit massiven staatlichen Investitionen die globale Marktdominanz erreichen. Im „Alles wird Strom“-Podcast sprechen Felix Goldbach und Robin Schmid mit Stiebel Eltron-CEO Kai Schiefelbein über die Auswirkungen auf den europäischen Markt und die Frage, wie sich die heimische Wärmepumpenindustrie behaupten kann.
Kai Schiefelbein, heute CEO bei Stiebel Eltron, ist selbst studierter Maschinenbauingenieur mit Schwerpunkt auf Thermodynamik. Für ihn ist seit jeher klar: Das Verbrennen fossiler Energie – oder auch das Verbrennen von Biomasse – um damit sehr niedrigwertige Raumwärme zu erzeugen, sei wenig effizient und thermodynamisch „eine Sünde“. Hinzu kämen die CO2-Emissionen. Die Wärmepumpe ist für ihn die effizienteste Lösung: aus einer Kilowattstunde Strom werden drei bis fünf Kilowattstunden Wärme gewonnen.

Warum braucht Europa einen Plan?
Die deutsche Wärmepumpenbranche steht für heimische Wertschöpfung: Sie stellt Arbeitsplätze in der Industrie wie auch in Handwerksbetrieben und anderen Teilen der Wertschöpfungskette. Zudem ist die Wärmepumpe eine zentrale Technologie der Energiewende. In anderen Zukunftstechnologien wie der Photovoltaik- und Batterieindustrie sowie der E-Mobilität hat China bereits die Marktdominanz erreicht, während die europäische Industrie in diesen Bereichen abgebaut wurde. Nun drohe der Wärmepumpenindustrie dasselbe, so Schiefelbein. Europa müsse sich die Frage stellen, wie es weiterhin industriell relevant bleibe.
Was macht China besser?
„Die Maßnahmen, die da drinstehen, sind alle gut und hochgradig geeignet, um eine Weltmarktführerschaft anzustreben“, urteilt Schiefelbein über den chinesischen Wärmepumpen-Aktionsplan. Dazu gehören zinsgünstige Kredite sowie Darlehen ohne strikte Vorgaben zur Profitabilität, die den chinesischen Wärmepumpenherstellern eine schnelle Skalierung im Bereich Forschung und Entwicklung ermöglichen. Entwicklungskosten sind typischerweise vorlaufend zu einem Markterfolg.
Auch die Produktion kann durch die staatlichen Subventionen schneller skaliert werden – Produktionskapazitäten können vorlaufend zur Nachfrage ausgebaut werden. In Europa werden Produktionskapazitäten typischerweise nachlaufend zum Marktbedarf ausgebaut. In der Zwischenzeit gebe es einen Nachfrageüberschuss, der kurzfristig nicht bedient werden könne. „Wenn ich nicht liefern kann, macht das jemand anders.“ China habe das erkannt und entsprechend reagiert, um Marktanteile zu gewinnen.
Welche Bedeutung haben Forschung und Entwicklung?
In Deutschland ist die Forschungsförderung eng abgegrenzt von der Produktentwicklung. Länder wie beispielsweise Japan würden einen anderen Ansatz verfolgen: Der industrielle Ramp-Up von wissenschaftlichen Forschungsprojekten wird gezielt ermöglicht. Zudem werde die Zusammenarbeit von Unternehmen unterschiedlicher Wertschöpfungsketten gefördert sowie eine vertikale Kartellbildung incentiviert. In Deutschland wird dies durch das Kartellrecht verhindert.
Auch die Teilhabe hochqualifizierter Mitarbeiter an internationalen Normengremien werde von China gefördert, um die technischen Standards zu beeinflussen und zugunsten der chinesischen Industrie zu verändern. Europäische Unternehmen müssten diese Kosten selbst tragen – und zudem den Ausfall ihrer Fachkräfte für den Zeitraum, den diese mit Dienstreisen und der Teilnahme an Gremien verbringen. Trotz der damit verbunden Kosten sei die Teilnahme für europäische Unternehmen wichtig und sinnvoll, resümiert Schiefelbein.
Was kann die deutsche Industrie China entgegensetzen?
Die gute Nachricht: Deutschland hat eine starke industrielle und wissenschaftliche Basis in Deutschland. In der Entwicklung und Produktion sei bereits viel digitalisiert und automatisiert worden. Das Fertigungs-Know-How in Deutschland werde unterschätzt – auch von der Politik. Oft werde unterstellt, deutsche Hersteller würden Bauteile aus China importieren und in Deutschland nur noch „die Kältekreise zusammenlöten“. Auch wenn einzelne Bauteile – wie der Kompressor – oft aus Asien stammen, so kommen die meisten Bauteile wie auch die Regelungstechnik – das „Gehirn“ der Wärmepumpe – aus Europa, betont Schiefelbein.
Welchen Einfluss hat die Politik?
Die Chinesen hätten in den letzten Jahren sehr treffsicher Zukunftstechnologien erkannt und gefördert. Dadurch konnten sie sich eine Marktdominanz in relevanten Wirtschaftszweigen erarbeiten. Die westliche Überzeugung, dass Planwirtschaft immer zum Scheitern verurteilt sei, wirke dadurch überholt, resümiert Schiefelbein. Er kritisiert in diesem Zusammenhang insbesondere das politische Modewort „Technologieneutralität“. Eine Politik, die sich nicht auf eine Technologie festlege, verzichte darauf, eine leistungsfähige Industrie im eigenen Land zu schaffen. Zudem würden in Deutschland nach wie vor fossile Industrien gefördert und am Leben erhalten.
Was braucht Deutschland?
„Wir brauchen in Deutschland einen starken Binnenmarkt für die Wärmepumpe“, betont Schiefelbein. Dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen, wie Energiepreise und Förderbedingungen. Antizyklisch zu investieren sei für Unternehmen in Deutschland praktisch nicht möglich – dafür brauche es eine Kreditvergabe für Zukunftsindustrien. Es brauche darüber hinaus eine Förderung nicht nur von Forschung, sondern auch von Produktentwicklung. Zudem brauche es für Zukunftstechnologien Ausnahmetatbestände im Kartellrecht, um eine Zusammenarbeit zu ermöglichen. Wenn die Politik auf die falschen Technologien setze, führe das mittelfristig zu Deindustrialisierung, warnt Schiefelbein abschließend.
Weitere Informationen
Wie es außerdem mit der Dekarbonisierung im Gebäudesektor vorangeht und welche Rolle die Wärmepumpe auch im Mehrfamilienhaus spielen kann erfahrt ihr direkt in der Podcast-Folge.
Eine detaillierte Analyse des chinesischen Wärmepumpen-Aktionsplans findet ihr hier in unserem Blog!

