Europa Aktuell: EU-Elektrifizierungsaktionsplan


Der geleakte EU-Aktionsplan setzt ein deutliches Signal für Wärmepumpen

Die Europäische Kommission will am 17. Juli ihren „Electrification Action Plan“ vorstellen. Bereits vor der Veröffentlichung kursiert in Brüssel seit dem 08.07.2026 ein Entwurf des Dokuments, der einen klaren politischen Kurs erkennen lässt: Die Elektrifizierung soll zum zentralen Baustein für Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit und Energieunabhängigkeit Europas werden. Für die Wärmepumpenbranche enthält der Entwurf zahlreiche Maßnahmen, die den Hochlauf der Technologie beschleunigen könnten.


Während in Deutschland die BEG-Förderung für Wärmepumpen gekürzt wird und es zu einer temporären Deaktivierung des BzA-Portals der KfW kam, kommen aus Brüssel viele positive Nachrichten für die Wärmepumpenbranche. Ob die angekündigten Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden und welchen Umfang sie in der finalen Fassung erhalten, wird sich erst mit der offiziellen Veröffentlichung des Aktionsplans am 17. Juli zeigen. 

Die European Heat Pump Association (EHPA) hat, basierend auf dem Leak des Electrification Action Plan, bereits die für den Wärmepumpensektor relevanten Inhalte des Entwurfs ausgewertet. Aus Sicht des Bundesverbands Wärmepumpe bestätigt der Plan, dass die Europäische Union die Elektrifizierung zunehmend als industrie- und energiepolitische Schlüsselstrategie versteht. 


Elektrifizierung als industriepolitische Strategie

Die Kommission betont, dass eine stärkere Elektrifizierung Energiekosten langfristig senken kann und somit die Versorgungssicherheit erhöht werden könnte. Der neue Strom der Dinge würde auch zu einer Reduktion von Emissionen führen.  
Da in Brüssel gerade viel über den Umgang mit China und dem Handelsdefizit diskutiert wird, rückt auch die Wettbewerbsfähigkeit und die Stärkung der europäischen Industrie in den Vordergrund. Hier setzt der Electrification Action Plan an und soll Innovationen bei Schlüsseltechnologien wie Wärmepumpen, Batterien und Elektrofahrzeugen beschleunigen. Der Aktionsplan versucht so, direkt die Ziele des European Green Deal mit denen des Clean Industrial Deal zu verbinden. So soll Klimapolitik mit einer aktiven Industriepolitik Europa resilienter und wettbewerbsfähiger machen. 


Wärmepumpen als Schlüsseltechnologie 

Für den Wärmepumpensektor enthält der Entwurf mehrere konkrete Zielsetzungen. Ein ambitioniertes Ziel ist, das die Installationsrate von Wärmepumpen bis 2030 gegenüber 2025 verdoppelt werden soll. Zusätzlich soll bis zum Jahr 2050 rund 11 Prozent des europäischen Wärmebedarfs durch Abwärmenutzung gedeckt werden. Gleichzeitig soll die Elektrifizierung industrieller Prozesse beschleunigt werden. Hierzu besonders relevant ist die Einschätzung der Kommission, dass bereits heute rund 60 Prozent des industriellen, fossil erzeugten Prozesswärmebedarfs technisch elektrifiziert werden könnten. Hier könnten Großwärmepumpen einen großen Beitrag leisten. 

Weitere diskutierte Maßnahmen betreffen kommunale Wärme- und Kälteplanung, bessere Vergleichsinstrumente für Verbraucher, neue Finanzierungsmodelle sowie öffentliche Beschaffung. Auch die Rolle von Wärmepumpen für Kühlung und Hitzeschutz wird stärker betont. 


Preiswende für die Wärmewende: Strom soll günstiger werden  

Ein zentrales Thema des Aktionsplans ist das Verhältnis zwischen Strom- und Gaspreisen. Die Kommission hat mittlerweile erkannt, dass hohe Strompreise derzeit eine der größten Hürden für die Elektrifizierung darstellen. Deshalb soll es zu einer Reform der Strompreisbestandteile kommen und auch zu Anpassungen bei Netzentgelten. Miteinher geht laut Kommission der schrittweise Abbau fossiler Subventionen sowie steuerliche Maßnahmen zugunsten elektrischer Technologien.  

Als politisches Ziel nennt der Entwurf nationale Strom-Gas-Preisverhältnisse von maximal 2,5 zu 1 für private Haushalte und maximal 2 zu 1 für die Industrie bis 2030. Das ist auch aus deutscher Perspektive zentral. Hohe Stromkosten bremsen Investitionen in Elektrifizierung, obwohl Wärmepumpen volkswirtschaftlich, klimapolitisch und energiepolitisch sinnvoll sind. Eine faire Kostenverteilung im Energiesystem bleibt daher eine der wichtigsten Voraussetzungen für den weiteren Markthochlauf. Auch die EHPA verweist darauf, dass Mitgliedstaaten mit einem günstigen Strom-Gas-Preisverhältnis deutlich höhere Wärmepumpenabsätze erzielen als Länder mit hohen Strompreisen.


Mehr Flexibilität für das Stromsystem 

Der Aktionsplan sieht außerdem umfangreiche Maßnahmen vor, um Wärmepumpen stärker in ein flexibles Stromsystem einzubinden. Dazu gehören neue Netzregeln für Wärmepumpen, Batteriespeicher und Elektrofahrzeuge sowie ein beschleunigter Smart-Meter-Rollout. Als ein Ziel werden Netzentgelte genannt, die flexiblen Stromverbrauch belohnen und damit eine bessere Integration von Speichern und Lastmanagement fördern. Wärmepumpen setzen genau dort an. Als effiziente Heiztechnologie können sie ein aktiver Bestandteil eines intelligenten Energiesystems sein.


Vom Brüsseler Rahmen zur deutschen Umsetzung 

Zentrale Rechtsakte wie der European Green Deal, die Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED), die Energieeffizienzrichtlinie (EED), die Gebäuderichtlinie (EPBD), die Ökodesign-Verordnungen sowie die F-Gase-Verordnung prägen bereits heute die Rahmenbedingungen für den Wärmepumpenmarkt in Deutschland.  
 
Die neuen Entscheidungen aus Brüssel werden deshalb auch ihre Wirkung auf nationale Gesetze wie das Gebäudemodernisierungsgesetz entfalten. Für die Branche und Politik kommt es nun auf die konkrete Ausgestaltung an, um Investitionsentscheidungen zu festigen und so einen Markthochlauf zu schaffen. Eins steht fest: Elektrifizierung wird als das neue strategisches Leitprinzip der europäischen Energie- und Industriepolitik gesetzt. Das Ziel sollte auch in Deutschland auf der Agenda stehen. 


Wie die EU gegenüber China wettbewerbsfähig bleiben will lesen Sie hier: BWP Aktuell: Europas Antwort auf China Subventionspolitik? – BWP-Blog