Im März 2026 hat der Nationale Volkskongress der Volksrepublik China in Peking den 15. Fünfjahresplan für den Zeitraum 2026 bis 2030 beschlossen (hierzu unsere BWP-Analyse). Mittlerweile wurden viele der Leitplanken weiter definiert und priorisiert. Gleichzeitig kommen aus Brüssel von der EU-Kommission immer mehr Zeichen gegen die aggressive Subventionspolitik von China. Laut Euractiv Berichterstattung erreicht die Debatte um China letzte Woche ihren Höhepunkt. Die europäischen Staats- und Regierungschefs nähern sich einer härteren Haltung gegenüber Peking an, doch konkrete Maßnahmen lassen weiterhin auf sich warten.
Experte: China hat mehrstufigen Fahrplan für Technologieführerschaft
Laut René Ruschmeier von Limen China unterscheidet Peking im neuesten Fünfjahresplan zwischen zwei Gruppen: Branchen, die bereits kurz vor der kommerziellen Skalierung stehen und während der Planperiode gezielt in den Markt gebracht werden sollen, sowie Zukunftsfelder, die zunächst grundlegend gefördert werden und ihren wirtschaftlichen Durchbruch voraussichtlich erst nach 2030 erreichen.
Diese Priorisierung ist laut Ruschmeier ein wichtiges Signal an Investoren, Unternehmen und Wettbewerber weltweit. Sie zeigt, in welchen Technologiefeldern China seine industrielle Stärke ausbauen will. Das wiederum lässt Schlüsse zu, wo sich internationale Marktteilnehmer auf stärkeren Wettbewerb, neue Partnerschaften oder veränderte Lieferketten einstellen müssen. Für westliche Unternehmen ist der Plan daher hochrelevant. Durch diesen lassen sich künftige Entwicklungen frühzeitig einzuordnen und in die eigene Unternehmensstrategie einzubeziehen.
Für die europäische Wärmepumpenindustrie geht es um Lieferketten, Kostenkurven, Standards und fairen Wettbewerb. Die EU sucht darauf eine Antwort, bewegt sich aber zwischen Schutz der eigenen Industrie und dem Wunsch, den Handelspartner China nicht zu verprellen. Währenddessen richtet China seine Industriepolitik auf technologische Eigenständigkeit, neue Energien und industrielle Stärke aus.
Viel raus, wenig rein: Das Handelsungleichgewicht
Mit den industriepolitischen Entwicklungen in China wandelt sich auch das Bild vom starken Absatzmarkt Chinas für deutsche Industrien. Deutsche Exporte nach China sind seit 2021 deutlich eingebrochen, während chinesische Firmen mit staatlicher Unterstützung günstiger produzieren. Die Überkapazitäten könnten laut EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen Europas Produktionsbasis untergraben (Tagesschau).

Für die Wärmepumpenbranche ist diese zu beobachtende Entwicklung nennenswert. Nicht um in einen Alarmismus zu verfallen, sondern um eine realistische Einordnung der zukünftigen Geschäfte zu tätigen, welche nicht von Naivität geprägt ist. Auch wenn der 15. Fünfjahreplan Wärmepumpen nicht ausdrücklich als chinesische Fokusindustrie nennt, lässt sich dieser gut mit dem Aktionsplan zur Förderung einer hochwertigen Entwicklung in der Wärmepumpenindustrie kombinieren. Denn die Wärmepumpenindustrie in China steht im Zentrum derselben industriellen Logik. China setzt stark auf Elektrifizierung, effiziente Gebäudetechnik, Komponentenfertigung, digitale Steuerung sowie die Einbindung in ein erneuerbares Stromsystem. Wer diese Wertschöpfungsketten prägt, prägt auch die Geschwindigkeit und die Kosten der Wärmewende.
Elektrifizierungsagenda als Europäische Antwort
Diese industrielle Logik wurde nun auch von der EU-Kommission erkannt und das Thema der Elektrifizierung des Kontinents wird immer mehr zur Priorität, auch unter den Aspekten der Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit. Dieses Thema wurde auch ausgiebig auf der diesjährigen EU Sustainable Energy Week iskutiert. Die Europäische Kommission arbeitet aktuell an einem nicht legislativen Maßnahmenpaket zur Elektrifizierung, das im Juli vorgestellt werden soll. Um den Markthochlauf von Wärmepumpen gezielt zu unterstützen, sollte laut EHPA das Paket insbesondere die Mitgliedstaaten dazu auffordern, Steuern und Mehrwertsteuer auf Wärmepumpen sowie auf Strom zu senken.
Chinas Energiewende: Qualität als neues Ziel
Agora Energy China und Agora Energiewende beschreiben in einem neuen Report Chinas Energiewende als Eintritt in eine neue Phase. Nach Jahren des starken Ausbaus erneuerbarer Energien verschiebt sich der Fokus auf Systemintegration, industrielle Dekarbonisierung und eine stärker CO2-basierte Steuerung. Basierend auf dem 15. Fünfjahresplan erwartet Agora eine Beschleunigung der Elektrifizierung industrieller Lieferketten und Unterstützung für grüne Industrieprodukte, etwa grünen Stahl und erneuerbaren Wasserstoff. Zudem könnte erfolgreiche chinesische Skalierung globale Kostenkurven, Technologiestandards und Infrastrukturbedarfe mitprägen.
Gleichzeitig erhielten Chinesische Firmen laut OECD, zwischen 2005 und 2024 im Durchschnitt drei- bis achtmal so viel staatliche Unterstützung wie Unternehmen in anderen OECD-Staaten. Rund 60 Prozent der globalen Marktanteilsgewinne chinesischer Firmen sind in den vergangenen 20 Jahren auf Subventionen zurückzuführen (Tagesschau).
Europa: Aktive Industriepolitik notwendig
China wird in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter Druck auf globale Clean-Tech-Märkte ausüben. So auch auf die europäische Wärmepumpenindustrie. Europa bereitet sich mittlerweile langsam darauf vor. Ob die derzeitige Geschwindigkeit ausreicht bleibt abzuwarten. Für die Wärmewende in Europa und die damit verbundene Elektrifizierung wäre es also wichtig, eigene Stärke aufzubauen. Das wird durch Maßnahmen wie zum Beispiel die Verbesserung des Energiepreisgefüge zwischen Gas und Strom ermöglicht und kann so Planungssicherheit für europäische Wärmepumpenhersteller schaffen.

