Chinas Wärmepumpenhochlauf (Teil 1)

Europa debattiert die EU-Strategie „Made in Europe“, um Ende Februar einen Gesetzesvorschlag namens „Industrial Accelerator Act“ vorzulegen, die dem Schutz der europäischen Industrie dient und vor Billigimporten schützen soll. Währenddessen kommen aus China eindeutige industriepolitische Signale.

Chinas „Aktionsplan zur Förderung einer hochwertigen Entwicklung in der Wärmepumpenindustrie“ ist ein breit angelegtes „Top-down“-Programm. Es basiert auf Marktausweitung, Technologieentwicklung, Fertigungsmodernisierung, Standards, Finanzierung, Netzintegration und Internationalisierung. Damit schafft China schnelle Fakten und Vorgaben für einen beschleunigten Markthochlauf, Qualitäts- und Konsolidierungsdruck, Ausbau in High-Value-Anwendungen und Vorbereitung auf globale Wettbewerbsführerschaft. So verankert der Plan Wärmepumpen als Schlüsseltechnologie für Energiesouveränität und die Erreichung von Zielen zur CO2-Reduktion. Während diese Ziele von der EHPA auf EU-Ebene gefordert und aufgezeigt werden, wurde das Vorhaben in China bereits politisch beschlossen.

Die Zielstrebigkeit der Maßnahmen basiert auf den von der kommunistischen Partei Chinas gesetzten Leitplanken 2030, 2035 und 2060. Die dabei angewendete Doppelstrategie basiert auf Dekarbonisierung durch Erneuerbare Energien und Elektrifizierung sowie gleichzeitige Versorgungssicherheit durch Kohle, Netzausbau und weiteren heimischen Ressourcen. Die politischen Hauptziele sind den CO2-Höchstausstoß vor 2030 zu erreichen und vor dem Jahr 2060 klimaneutral zu werden. In Chinas 14. Fünfjahresplanung (2021-2025) war bereits ein weiteres strategisches Langfristziel eingebettet. So soll der Fokus im Energiesektor bis 2035 auf Modernisierung, Infrastruktur und Energiesystem gelegt werden. Und genau deswegen ist das Thema Gebäudewärme auch so wichtig. Die Elektrifizierung der Wärme wird zu einer der Kernpunkte.

Auch in der EU-Kommission ist strategische Industriepolitik mittlerweile zu einem Kernpunkt geworden. So forderte der EU-Kommissar Stéphane Séjourné im Handelsblatt: „Wir müssen ein für alle Mal eine echte europäische Präferenz in unseren strategisch wichtigsten Sektoren etablieren“. Der Energiesektor spielt auch im Bezug auf die Wärmewende dabei eine wichtige Rolle. Denn „ohne eine ehrgeizige, wirksame und pragmatische Industriepolitik ist die europäische Wirtschaft dazu verdammt, nur ein Spielplatz für ihre Konkurrenten zu sein“, meint Séjourne.

Genau diese pragmatische Industriepolitik gibt es bereits in China.
Wir haben uns den chinesischen Aktionsplan für die Wärmepumpe angeschaut und analysiert, inwiefern und warum steigender Wettbewerbsdruck für die europäische Wärmepumpenindustrie erwartet werden kann.


Politischer Rahmen
Wärmepumpen werden klar als Schlüsseltechnologie für Energiesouveränität, CO2-Reduktion und für „grünes Wachstum“ positioniert. Bemerkenswert ist, dass der Aktionsplan bis 2030 konkrete Ziele nennt. So sollen kontinuierlich bessere Fertigung- und F&E-Fähigkeiten erreicht werden. Ein weiteres Ziel gibt mehr als 20 Prozent Effizienzverbesserung bei Wärmepumpenprodukten vor. Gleichzeitig fordert der Plan Durchbrüche bei Hochleistungs-/Hochtemperatur-Wärmepumpen, Hocheffiziente Kompressoren und neuartige Kältemittel. Aber auch deutlich höhere Standards für eine „hochwertige Entwicklung“ werden gefordert.

Damit geht einher, dass China sich durch diese Maßnahmen einen ausgebauten internationalen Wettbewerbsvorteil erhofft.

Ausweitung der Sektoren
Der Aktionsplan will chinesische Wärmepumpen in möglichst viele Märkte ausrollen. Für Gebäude neben Luft-Luft Wärmepumpen auch Geothermie und Oberflächenwasser-Wärmepumpen genutzt werden. Es wird klar formuliert, das Luft, Wasser, Erdwärme und Abwärme die noch häufig benutzen Kohlekessel ersetzen sollen. Spannend ist auch, dass der Plan einen Fokus auf öffentliche Gebäude setzt. Gerade Schulen, Krankenhäuser, Hotels und Büros haben Priorität.

In der Industrie ist ein starker Fokus auf Abwärmenutzung und gleichzeitig die Erzeugung von Hochtemperaturdampf. Die kommunistische Partei nennt hier konkrete Industriezweige, wie die Petrochemie, Textil, Papier und Baustoffe. In der Landwirtschaft sollen Wärmepumpen die Trocknung durch Kohleöfen ersetzen. Für den Transportsektor sollen Wärmepumpen elektrische Heizungen in U-Bahnen und Hochgeschwindigkeitszügen ersetzen. Zudem sollen Gebäude der Verkehrsinfrastruktur mit Wärmepumpen ausgerüstet werden.

Für all diese Anwendungsbereiche und gerade für Bestandsanlagen, soll eine Diagnose alter Anlagen erstellt werden und eine schrittweise Stilllegung ineffizienter Systeme stattfinden. Wärmetauscher, Steuerung, Hydraulik/Verteilung und Wärmeabgabe Kompatibilität sollen holistisch gedacht neu aufgesetzt werden. Gleichzeitig, soll eine Integration in Wärmenetze zusammen mit erneuerbaren Energien gefördert werden. Alte Anlagen sollen recycelt oder entsorgt werden.

Die Idee dahinter ist ein klassischer „Demand-Pull“ über viele Anwendungsfälle. Dieser Mechanismus erzeugt eine hohe Wertschöpfung.

Eindeutiger Fokus: Qualität, Modernisierung und Schlüsselkomponenten

Industriepolitisch wichtig ist ein verbessertes Produktdesign. Das soll durch virtuelle Simulation und bessere Standards für Komplettgeräte und kritische Komponenten erfolgen. Zudem liegt ein Fokus auf Miniaturisierung von Wärmepumpen, einfache Installationen und integrierte Lösungen. Für eine „intelligente Produktion“ setzt China auf Prozessinnovation und Integration. Um gleichzeitig Energie, Ressourcen und den CO2-Fußabdruck der Produktion zu senken, wird eine grüne und digitale Modernisierung von Fertigungslinien gefordert.

Der Plan sieht auch eine neue Kältemittelstrategie vor. Der Ausstieg aus FCKWs soll beschleunigt werden und Forschung in natürlichen Kältemittel gestärkt. Des Weiteren soll sich die Industrie verstärkt um Leckage-Kontrolle, Rückgewinnung und Entsorgung kümmern.

Beim Betrieb und der Wartung von Wärmepumpen sollen ein smartes Betriebsmanagement und Datenüberwachung helfen. So sollen Hersteller von Wärmepumpen sich vom Gerätelieferanten zum Systemintegrator weiterentwickeln und auch Installation und Service anbieten. Wichtig dafür seien Fallstudien, Service-Guidelines sowie Trainings und fachliche Beratung.

Forschung soll spezifisch für integrierte Wärmepumpensysteme fürs Heizen und Kühlen sowie Hochtemperatur Wärmepumpen ermöglicht werden. Ein Fokus liegt hier eindeutig auf Schlüsselkomponenten wie große Kompressoren, Geräuschminimierung, Enteisung und große Kapazitäten. Wichtig ist der kommunistischen Partei auch, dass zukünftige Entwicklungen bei Wärmepumpen immer zusammen mit einer Integration von PV und Wärmespeicher gedacht werden. Dafür sollen neue nationale Innovationsplattformen und Kollaboration zwischen Industrie und Wissenschaft entstehen.

Wie es scheint, plant China auch die komplexeren Teile der Wertschöpfung bei Wärmepumpen anzugehen und diese zu beherrschen. Damit zeigt sich ein Wechsel im Fokus weg von der skalierbaren Massenproduktion.



Insgesamt zeigen diese Punkte, dass China einen breiten und politisch gestützten Nachfragehochlauf fördern möchte. Der Plan umfasst gleichzeitig Gebäude, Industrie, Landwirtschaft und Verkehr. Damit entsteht bereits ein breiter Inlandsmarkt anstatt eine einzelne Nische. Skaleneffekte spielen hier einer wichtige Rolle. Gleichzeitig können durch den Plan ihre Produktpalette von Standardgeräten aber auch zu Systemlösungen und Spezialanwendungen weiterentwickeln.

Teil 2 unserer Analyse erscheint am 23.02.2026 hier: Chinas zukünftiger Wärmepumpenhochlauf (Teil 2) – BWP-Blog

Hier geht es zu unserer DeepL Übersetzung von Chinas „Aktionsplan zur Förderung einer hochwertigen Entwicklung in der Wärmepumpenindustrie“: